Sind Wurmkuren überflüssig?

    Fast alle Hunde und Katzen aller Altersstufen sind von Magen- und Darmparasiten befallen. Dummerweise aber kann man die erwachsenen Würmer im Kot der Tiere (außer bei sehr jungen Welpen) nicht sehen, so dass sich viele Tierbesitzer der drohenden Gefahr gar nicht bewusst sind.

    Im Hunde- oder Katzenkot nachweisen kann man lediglich die mikroskopisch kleinen Eier der Würmer. Wenn nun beim Schmusen mit der Katze oder abgeleckt Werden durch den Hund ein Wurmei auf die Hand und dann versehentlich beim Mundabwischen in den Mund gelangt (man sieht die Eier ja nicht!), können sich die im Darm des betroffenen Menschen schlüpfenden Larven über die Leber oder das Herz in der Lunge ausbreiten. Von dort können sie sogar in das Gehirn oder die Augenmuskeln des Menschen gelangen. Im schlimmsten Fall erblindet dann ein mit Spulwurmlarven infizierter Mensch.

    Durch wandernde Larven von Hakenwürmern (einer anderen Wurmart) wiederum können auch Hautkrankheiten entstehen. Alle Organe können also bleibende Schäden davontragen. Besonders gefährdet für wurmbedingte Folgeschäden sind Kinder, Menschen nach einer Chemotherapie und ältere Menschen, deren Widerstandskraft meist geringer ist als die von gesunden Erwachsenen.

    Woher kommen die Würmer?
    Sie gelangen durch winzigste Wurmeier in unsere Hausgenossen. Diese Eier befinden sich auf Hunde- und Katzenhäufchen und am After der Tiere und werden beim Schnüffeln aufgenommen und verschluckt.

    Auch wir Menschen übertragen mit an unseren Schuhsohlen haftenden Spulwurmeiern Würmer an Tiere, die selbst gar nicht nach draußen gehen, aber die Eier aus dem Teppich aufnehmen (wenn sie sich drauf wälzen und sich anschließend das Fell putzen).

    Neugeborene Katzen- und Hundewelpen werden direkt im Mutterleib und durch die Muttermilch mit Würmern infiziert.

    Aus den Eiern entwickeln sich zunächst Larven, diese beißen sich im Magen oder Darm fest und werden zu erwachsenen Würmern (8-18 cm lang), die wieder neue Eier produzieren. Wenn erwachsene Würmer absterben, werden sie verdaut und sind im Kot nicht mehr zu erkennen.

    Und wegen so'n paar kleiner Würmer soll man sich Sorgen machen?
    Ja, man soll! Denn, um sich zu ernähren, "stiehlt" der Parasit seinem Wirt Teile seiner Nahrung und entzieht diesem so wichtige Vitamine, Mineralien und Eiweiße. In vielen Fällen führt dies auch zu äußerlich sichtbaren Veränderungen wie stumpfem Fell, Abmagerung, Mandelentzündung, Krankheitsanfälligkeit oder sogar zu Durchfall und Erbrechen. Da die Folgekrankheiten oft auch bleibende Schäden hinterlassen (z.B. in der Leber) verringert ein Befall mit Würmern die Lebenserwartung eines Tiers oft ganz erheblich.

    Mit rechtzeitigem Eingreifen schützen sie Hund oder Katze vor schwereren Krankheiten, die sich entwickeln, wenn die Abwehrkraft durch Wurmbefall geschwächt ist. Außerdem verhindern Sie auch die Ansteckung des mit dem Tier lebenden Menschen mit Spulwurmlarven.

    Denn auch bei Menschen können Würmer schwere, teilweise sogar tödliche Schäden bewirken: Larven von Hakenwürmern können durch die Haut in den menschlichen Organismus gelangen und Ekzeme verursachen

    Auch in inneren Organen von Menschen treten gelegentlich Schäden durch Wurmlarven auf.

    Wie und wann soll man entwurmen?
    Wirksame Mittel gegen Spul- und Hakenwürmer sind immer verschreibungspflichtig. Man bekommt sie in jeder Tierarztpraxis. Verschreibungsfrei angebotene Pseudomedikamente (auch die aus der Apotheke) helfen nur dem Hersteller, töten aber keine Würmer. Bitte kaufen Sie NIE (!) irgendwelche Mittel in der Apotheke , ohne zuvor ein Rezept aus der Tierarztpraxis bekommen zu haben. Denn nur dort kennt man den Gesundheitszustand Ihres Tieres sowie eventuelle Unverträglichkeiten und nur dort werden Sie von Fachleuten für Tiermedikamente beraten. Mehr dazu finden Sie hier. Sie können aber auch "einfach" die Rezeptgebühr sparen und die wirklich wirksamen benötigten Mittel in Ihrer Tierarztpraxis kaufen.

    Geriebene Möhren oder Knoblauchzehen schaden Würmern in keinerlei Weise, auch wenn dies immer wieder in zahlreichen Büchern oder auf unseriösen Internetseiten behauptet wird. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen!

    In der Kartei Ihres Tieres wird jeweils vermerkt, mit welchem Mittel zuletzt entwurmt wurde, denn auch Würmer gewöhnen sich an Medikamente und werden "resistent". Deshalb werden Sie jeweils immer wieder andere Wurmkuren, mal Tabletten, die über einen oder auch über mehrere Tage gegeben werden, mal eine Paste, mal eine Spritze für Ihr Tier bekommen - schließlich wollen Sie die Würmer ja bestimmt abtöten!

    Manche Tiere lassen sich nicht so gern Tabletten eingeben; wenn Sie Schwierigkeiten haben, sagen sie 's Ihrem Praxisteam, gemeinsam finden Sie sicher eine gute Lösung, damit Ihr Tier gesund bleibt.

    Mit einer Wurmkur kann man NICHT vorbeugen, sondern immer nur erwachsene Würmer abtöten.

    Gegen Würmer kann man auch nicht impfen!

    Da sich ein Tier eigentlich täglich mit neuen Wurmeiern anstecken kann, ist das Hauptziel von Entwurmungen, den Wurmbefall in erträglichen Grenzen zu halten. Neugeborene Welpen erhalten ihre erste Entwurmung bereits nach einer Woche, dann im 1-3 wöchigen Abstand, bis sie etwa 9 Wochen alt sind. Neu zugekaufte Katzen- und Hundewelpen sollten 3-4 Tage nach der Ankunft im neuen Zuhause eine Wurmkur bekommen, der Stress der Umstellung aktiviert immer noch ein paar restliche Parasiten.

    Im folgenden gesamten Leben des Tieres sollte ein 3 monatlicher Entwurmungs-Rhythmus beibehalten werden, die Termine trägt man, wie auch den jährlichen Wiederholungs-Impftermin, gleich im Kalender ein.

    Alternative hierzu:
    Lassen Sie regelmäßig Kotproben Ihrer Katze oder Ihres Hundes untersuchen, damit Sie sicher sind, dass keine Ansteckungsgefahr für Sie oder Ihre Familie besteht.

    Manche Würmer kann man aber doch sehen - wo kommen die denn nun her?

    Das, was man mit bloßem Auge erkennen kann man, sind Teile von wieder einer anderen Wurmart, den Bandwürmern. Diese Würmer sehen aus wie kleine Teile von Bandnudeln. Sie werden z.B. durch den Verzehr von Mäusen und Vögeln sowie rohem Fleisch übertragen. Ihre Teile sind außerhalb des Körpers oft noch eine Weile beweglich.

    Eine andere Bandwurmart wird von Flöhen übertragen. Deren Eier gelangen in Ihr Tier, wenn es einen Floh herunterschluckt. Die im Kot ausgeschiedenen Teile haben wegen ihrer charakteristischen Form den Würmern den Namen "Gurkenkernbandwurm" eingebracht . Diese Bandwürmer sind für Menschen nur in Ausnahmefällen problematisch.

    Der sogenannte "Fuchsbandwurm" hingegen ist für Menschen extrem gefährlich. Er wird hauptsächlich durch den Verzehr von ungewaschenen Wildbeeren übertragen. Hunde und Katzen beherbergen ihn immer dann, wenn sie beim Waldspaziergang oder sonstigen Beutetouren Mäuse fressen.

    Solche "Mäusesammler und -Fresser" sowie alle Hunde und Katzen, die von Flöhen befallen sind, benötigen also zusätzlich regelmäßige Bandwurmkuren bzw. kombinierte Spulwurm - Bandwurmmittel. Da sich besonders Katzen oft gegen Tabletten sträuben, gibt es neuerdings eine Anti- Bandwurm- Kur, die man einfach als Flüssigkeit aus einer Pipette in den Nacken der Katze streicht, endlich geht es auch leichter!

    Wurmkuren werden immer nach Gewicht verabreicht. Wenn also Ihr Tier in Ihrer Tierarztpraxis bekannt ist, dieses Mal aber nicht mitgenommen werden soll, wiegen Sie es bitte zu Hause (mit dem Tier auf die Waage gehen und anschließend ohne Tier noch mal wiegen).

    Fazit:
      - Wurmkuren schützen die Gesundheit Ihres Tieres
      - Wurmkuren schützen Ihre eigene Gesundheit
      - Wurmkuren macht man ( mindestens ) alle drei Monate
      - Wurmkuren gibt es gegen Spulwürmer, gegen Bandwürmer und als kombinierte Medikamente

    Welches Wurmmittel Sie am besten benutzen, sollten Sie ausschließlich in Ihrer Tierarztpraxis erfragen, denn nur dort haben Sie wirklich kompetente Ansprechpartner Übrigens, 1999 erblindeten in Australien 20 Menschen, weil in ihre Augenmuskeln Larven von Spulwürmern eingewandert waren. Diese Larven stammten von Haustieren, die nicht oder mangelhaft entwurmt worden waren. Wurmkuren sind also wirklich nicht überflüssig!



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf