Ein bisschen zu viel auf den Rippen?
im europäischen Reiseverkehr



    Übergewicht ist kein Schönheitsfehler, sondern eine wichtige Ursache für viele Folgeerkrankungen!

    Etwa 60% der in meiner Praxis vorgestellten Tiere haben Übergewicht, einige weniger, einige mehr.



    Tiere mit Übergewicht leiden nachweislich häufiger als normalgewichtige Artgenossen unter:

        - Herz- und Kreislaufkrankheiten
        - Bluthochdruck
        - Diabetes (Zuckerkrankheit)
        - Leberschäden
        - degenerativen Gelenkserkrankungen und schmerzhaften Arthrosen
        - Schilddrüsenproblemen
        - Harnsteinen und Blasenentzündungen
        - Blasenkrebs
        - Verstopfung oder einem gestörten Immunsystem.


    Außerdem kommt es bei „Dickerchen“ häufiger als bei normalgewichtigen Tieren zu Narkosekomplikationen.

    Kurz:
    Übergewichtige Tiere sterben im Durchschnitt etwa 2 Jahre eher als solche, die ein Leben lang ein weitgehend normales Gewicht haben durften.

    Dieser Hund mit 6 kg zu viel "auf den Rippen" ist leider kurz nach dem Besuch an Herzversagen gestorben. Umgerechnet auf einen 60 kg schweren Menschen hatte er 43,5 kg Übergewicht.
    Der Besitzer fragte ungläubig:
    "Sie meinen, der ist wirklich zu dick, Frau Doktor?"



    Wie beurteilt man die Figur des eigenen Tieres am leichtesten?
    Eine einfache Methode ist das Auflegen der flachen Hand auf den Brustkorb. Ganz gleich, ob Sie ein Tier mit dichtem Fell oder nur ganz kurzem Haar besitzen, die Rippen sollten immer gleich zu fühlen sein! Finden Sie diese Knochen erst mit einigem zusätzlichem Tasten, spricht man von Übergewicht. Sind sie gar nicht zu fühlen, oder kann man sie nur erahnen, ist das Tier verfettet und hat krankhaftes Übergewicht.

    "Meine" Futtermittelfirma hat dies auf einigen Grafiken anschaulich dargestellt:



    Wie entsteht Übergewicht?
    Besser wäre die Frage: Wie entsteht Übergewicht nicht?

    Einfache Antwort:
    Tiere werden vom Bewegungsmangel und vom Fressen dick! Nicht durch eine Kastration, nicht durch Cortisontabletten (die wiegen 1 g, davon nimmt man nicht zu!), nicht durch "schlechtes Erbgut" oder "schwere Knochen" oder sonstige phantasievolle Entschuldigungen. Ihr Hund/ Ihre Katze/ Ihr Kaninchen/ Ihr Meerschwein bekommt schlicht und einfach mehr Kalorien pro Tag von Ihnen vorgesetzt, als er/sie/es verbraucht. Und die summieren sich zu Fettpolstern unter der Haut und um die inneren Organe herum. Durch diesen Fettpanzer können so die normalen Körperfunktionen beeinträchtigt werden.

    Eigentlich hätten Sie gern ein schlankeres, und damit auch länger gesundes Tier? Da Tiere weder selbst Futter kaufen, noch Dosen aufmachen, sind es in erster Linie Sie selbst, der/die etwas ändern müsste. Das Wichtigste und zugleich das Schwierigste: Sie müssen lernen, das Betteln Ihres Tieres zu übersehen! Weg zu sehen, wenn der Hund Sie mit großen, traurigen Augen anvisiert oder die Katze herzzerreißend schreit. Sie müssen taub werden für das Gerüttel Ihres Kaninchens am Futternapf und für das empörte Pfeifen Ihres Meerschweinchens. Und Sie müssen erreichen, dass die gesamte Familie mitmacht!
    Wenn Sie sich ernsthaft vornehmen, das zu schaffen, ist der Rest ein Kinderspiel!

    Denn wir Tierärzte unterstützen Sie. Um das Gewicht Ihres Tieres auf ein gesundes Maß reduzieren zu können, benötigen wir aber zunächst Informationen über das bisher von Ihnen angebotene Futter. Schreiben Sie uns eine kleine Liste mit a l l e n verwendeten Futtermitteln des Tages, und bitte verschweigen Sie auch nicht, dass Sie morgens ein kleines Leberwurstbrot, nachmittags ein kleines Schälchen Katzenmilch oder abends eine klitzekleine Hand voll Joghurtdrops als Betthupferl anbieten. Wir benötigen genau ausgewogene Mengen in Gramm (wie viel wiegt Ihre "Handvoll"?) und die Angaben auf den jeweiligen Verpackungen. In einem Beratungsgespräch (bitte machen Sie einen Termin aus) können wir dann Vorschläge unterbreiten, wie Sie ein gesundes Gewicht Ihres Tieres erreichen können.

    Möglicherweise können Sie die bisher verwendeten Futter weiter füttern, vielleicht ist kurzzeitig eine Futterumstellung notwendig. Hierfür gibt es verschiedene, genau berechnete Futter, die je nach gewünschter Traumfigur und persönlichen Geschmacksvorlieben des Tieres eingesetzt werden können. In jedem Fall aber sollten Sie das Gewicht regelmäßig kontrollieren und darüber Buch führen.

    Wie wiegt man ein Tier?
    Kleine Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen passen meist in eine Plastikschüssel, die man auf die Küchenwaage stellt. Mit Katzen und kleineren Hunden auf dem Arm kann man sich gut auf die heimische Personenwaage stellen und dann noch mal ohne Tier gegen wiegen – die Differenzberechnung schafft notfalls der Taschenrechner.





    Für große Hunde bietet sich die Tierwaage in der Tierarztpraxis an, Sie sind herzlich eingeladen, den Gassi – Gang für einen kurzen Wiege – Besuch zu nutzen! Zur Gewichtskontrolle Ihrer Katze haben die meisten Praxen eine Säuglingswaage „umfunktioniert".






    Reicht es aus, nur das Futter umzustellen?
    Leider nicht!

    Wichtig ist auch die Änderung der täglichen Fütterunspraxis und ein "sportlicherer" Umgang mit Ihrem Vierbeiner.
    Hier also einige Anregungen, wie Sie den Alltag
        - Ihrer Katze
        - Ihres Hundes
        - Ihres Kaninchens bzw. Meerschweinchens
    aktiver und beweglicher gestalten könnten, damit Übergewicht kein Thema mehr ist! Das Eine oder Andere können auch Sie sicherlich umsetzen, lassen Sie sich ruhig mal auf ein paar Experimente ein!



    Fitness für Katzen:
    Katzen, die draußen leben, verbringen einen großen Teil des Tages mit der Jagd! Sie unternehmen ausgiebige Streifzüge, um Beute auszumachen und haben, je nachdem ob es sich um Mäuse, Vögel, Insekten oder Reptilien handelt, unterschiedliche Fangstrategien, die nicht jedes Mal von Erfolg gekrönt sind. Nahrungsbeschaffung erfordert höchste Konzentration, Reaktionsschnelle und den vollen körperlichen Einsatz.

    Im Gegensatz dazu leben unsere Wohnungskatzen wie im Schlaraffenland – aber nur auf den ersten Blick! Sie brauchen sich um nichts zu kümmern. Fressen steht den ganzen Tag zur Verfügung. Einzige Abwechslung sind unterschiedliche Geschmacksrichtungen der Fertigfutter und diverse Snacks zwischendurch. So entsteht Langeweile, denn Erkundungs- und Jagdverhalten sind gar nicht mehr gefragt. Die Folge: Inaktivität und schließlich Übergewicht.

    Sie möchten Ihre Katze aus der Langeweile erlösen?
    Geben Sie ihr die Möglichkeit und gönnen Sie ihr den Spaß, sich ihr Futter zu „erbeuten“! Damit sie langsam an diese Fähigkeiten heran geführt wird, gegen Sie bitte ab sofort nur noch zwei winzige Mahlzeiten aus dem Napf, vorzugsweise morgens und abends. Der Rest und damit der größte Teil der Gesamttagesfuttermenge, die von Ihrer Tierarztpraxis speziell für Ihre Katze ermittelt worden ist, muss erbeutet werden:

    Wie?
    Mit ein bisschen Fantasie und ohne großen Aufwand können Sie auch Ihrer Katze eine möglichst artgerechte Nahrungssuche und –aufnahme ermöglichen:

    Möglichkeit 1:
    Verstecken Sie kleine Trockenfutterportionen in Ihrer Wohnung und wechseln Sie häufiger die Verstecke. Katzen sind Kletterkünstler und turnen gern auch auf Regalen herum, wenn dort etwas Essbares zu finden ist.

    Möglichkeit 2:
    Kleine Plastikbälle mit Loch, durch das gerade ein Bröckchen Trockenfutter passt, eignen sich gut als Futterbehältnis. Möchte Ihre Katze fressen, muss sie den Ball und damit auch sich bewegen.

    Möglichkeit 3:
    Sie können auch Trockenfutterhäppchen wegwerfen und Ihr Stubentiger muss sie fangen. Das ist nicht nur lustig, sondern bringt auch richtig auf Trab – fast so wie auf der Jagd!

    Möglichkeit 4:
    Manche Katzen lieben es und sind sehr ausdauernd, wenn es darum geht Futter auszupacken. Kleine Papiertütchen oder –schachteln, die Innenrolle von Toiletten- und Haushaltspapier- rollen mit zugedrehten Enden eignen sich gut, um Futter hineinzugeben. So kann sich Ihre Katze als Auspackkünstler betätigen.

    Nehmen Sie sich täglich etwas Zeit, um mit Ihrer Katze zu spielen! Spielen darf und soll Ihnen und Ihrer Katze Spaß machen!

    Richten Sie feste Spielzeiten ein von ca. 15 Minuten mindestens einmal am Tag, bevorzugt abends. Halten Sie sich dabei vor Augen, wie junge Kätzchen spielen. Im Spiel werden Sequenzen des Jagdverhaltens geübt und trainiert. Für Sie heißt das, Sie müssen sich in die Lage potentieller Beute Ihrer Katze versetzen!

    Geben Sie also Ihrer Katze nicht einfach Spielzeug hin, in der Hoffnung, dass sie sich damit beschäftigen wird. Das findet keine Katze toll! Katzen lieben kleine, bewegliche, knisternde, raschelnde und quiekende Gegenstände aus Fell, Federn, Folie, Plastik, Kork und Gummi sowie Ping-Pong Bälle. Diese Gegenstände mit Bändern versehen und von Ihnen fantasievoll und möglichst lebensnah eingesetzt, werden die Jagdleidenschaft Ihrer Katze wecken.

    Bitte lassen Sie die Katze nie unbeaufsichtigt mit solchen Spielzeugen, da die Gefahr des Verschluckens oder des sich- Verhedderns besteht!

    Hervorragend geeignet für Fangspiele sind kleine Angeln mit Gummiband, an dessen Ende eine Spielmaus oder ein Federbüschel befestigt ist. Einige Katzen vollführen die tollsten Luftsprünge, um die Maus oder den Vogel zu fangen.

    Für Technik-Freaks bietet sich auch der Gebrauch eines ferngesteuerten Autos mit Fellimitatschwanz als „Beute“ an, bitte vorher aber alle scharfen Kanten abschleifen. Ein kleiner Tipp: Bedenken Sie, ein Vogel würde nie auf die Katze zufliegen und eine Maus würde ihr auch nicht direkt ins Maul laufen! Spiele müssen also möglichst lebensnah mit Deckung und Verstecken gestaltet werden.

    Je geschickter Sie sich bei diesen interaktiven Spielen anstellen, um so mehr werden Sie aus der Reserve locken. Überlassen Sie Ihrer Katze immer wieder mal die Beute, so ist sie hoch motiviert, sich auf das nächste Spiel einzulassen. Jagderfolge sind für unsere Katzen so wie das Salz in der Suppe!




    Wenn Ihre Katze gern sehr wüst spielt, beenden Sie solche Spiele nie abrupt, denn Frustration und Aggression können die Folge sein. Und eine frustrierte Katze könnte ihren Unmut auf eine Weise kundtun, die Ihrer Wohnungseinrichtung erheblichen Schaden zufügt. Beenden Sie also temperamentvolle Jagdspiele immer allmählich und mit Ruhe.





    Wenn Sie noch weitere Anregungen möchten, empfehlen wir z.B. diese Bücher:

    Sabine Schroll, Miez, Miez- na komm! Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung Verlag videel; ISBN 3-89906-107-1
    Gwen Bonenkamp u. Dr. Renate Jones, Was Katzen wirklich brauchen, Verlag Kosmos; ISBN 3-440-09747-1
    Dr. Kersti Seksel, Training Your Cat (Buch in engl. Sprache) ISBN 1-86447-080-1



    Fitness für Hunde:
    Die Sache mit dem Übergewicht hat auch etwas Gutes, denn da Sie ja etwas ändern möchten, wird sich der Alltag mit Ihrem Hund ab jetzt viel abwechslungsreicher gestalten! In Zukunft wird Ihr Hund sich sein Futter verdienen.

    Wichtige Voraussetzung:
    Wiegen Sie die von uns individuell empfohlene Tagesfuttermenge genau aus. Bitte füttern Sie dieses genau entsprechende Futter über den Tag verteilt und verzichten Sie konsequent auf alle zusätzlichen Leckereien zwischendurch!

    Bedenken Sie, ein kleiner Keks für den Hund entspricht einem ganzen „Hamburger“, den Sie mal eben zusätzlich zu den Mahlzeiten essen würden! So gern Sie vielleicht auch „schummeln“ würden, bitte denken Sie daran, dass es besonders gut bekommen wird, wenn er das gut gemeinte Extra -Leckerchen n i c h t bekommt. Statt eines Hundekekses können Sie aber gern ein kleines Stück Mohrrübe oder ein wenig Salatgurke anbieten, die meisten Hunde lieben Gemüse. Nicht geeignet sind dagegen Kartoffeln oder Äpfel, denn die haben wieder ein paar Kalorien zu viel. In freier Wildbahn verbringen Wölfe oft viele aufregende Stunden mit der Jagd. Lassen Sie also die tägliche Nahrungsaufnahme zum Erlebnis werden – regelmäßige Mahlzeiten sind eher langweilig! Dabei darf Ihr Hausgenosse sich gern bewegen und auch den Kopf anstrengen.

    Was können Sie tun?

    Zu den bisher gewohnten Fütterungszeiten bieten Sie Ihrem Hund nur noch einen gestrichenen Esslöffel voll Futter im Napf an. Den Rest verstecken Sie z.B. als kleine Portionen in Wohnung und Garten und lassen Sie Ihren Hund suchen.
    Lustig ist auch das „Hütchenspiel", zu dem Sie umgedrehte Joghurtbecher oder Plastikblumentöpfe aufstellen und unter einen Futter legen. Mit ein bisschen Übung wird Ihr Hund den richtigen Becher anzeigen und versuchen an das Futter zu gelangen; dabei dürfen Sie ihm ruhig helfen. Spielwürfel (Buster-Cubes) aus dem Futtermittel- oder Tierzubehör- Geschäft zur Aufnahme von Trockenfutter erfordern die ganze Geschicklichkeit Ihres Hundes durch Bewegen des Würfels in den Genuss der Futterbröckchen zu kommen.

    Mehrmals täglich kleine Übungen wie „Sitz“, „Platz“ und „Komm“, die bei korrekter Ausführung umgehend mit Futterhäppchen belohnt werden, machen Ihrem Hund nicht nur Spaß, weil er gemeinsam mit Ihnen etwas tun kann. Ganz nebenher festigen Sie zudem auch noch Ihre Position in der Rangordnung –ein toller Nebeneffekt!

    Begleitend zur Umstellung in der Fütterung spielt regelmäßige Bewegung zur körperlichen Auslastung Ihres Hundes eine wichtige Rolle beim Abnehmen!

    Gehen Sie möglichst mehrmals am Tag mit spazieren und gestalten Sie diese Ausflüge spannend und abwechslungsreich. Ball- und Stöckchenspiele, kleine Gehorsamsübungen für die Konzentration, gefolgt von entspannenden Schnüffelphasen zum „Zeitungslesen“ lassen sich gut kombinieren.

    Verabredungen mit anderen Hundehaltern zum Spielen und Toben lassen Hundeherzen höher schlagen und dienen außerdem der körperlichen Ertüchtigung.
    Naturhindernisse wie Gräben und umgestürzte Bäume bieten gute Möglichkeiten, Springen, Balancieren und Klettern zu trainieren. Wenn Sie Ihren Hund dabei tatkräftig unterstützen, hat er noch mal so viel Spaß.
    Sollten Sie selber nicht so gut zu Fuß sein, um bei diesen Aktivitäten zu begleiten, überlegen Sie doch mal, ob es in Ihrem Bekanntenkreis nicht jemanden gibt, der Ihnen gerne diese Aufgabe abnimmt.

    Vielleicht haben Sie ja eine „Wasserratte“ zu Hause und die Möglichkeit ist gegeben, Ihren Vierbeiner regelmäßig schwimmen zu lassen? Ein gutes Trainingsprogramm für Figur und Gelenke! Auch im Haus und im Garten können Sie gemeinsame Spiele (Such-, Versteck- und Bringspiele) planen, bei denen das Lieblingsspielzeug Ihres Hundes zum Einsatz kommt. Denken Sie aber bitte daran, dass Spielzeug, das immer zur Verfügung steht, seinen Reiz verliert. Teilen Sie also immer wieder andere Spielsachen zu und nehmen Sie sie auch wieder weg; so wird das tägliche gemeinsame Spiel für Ihren Hund zum „Highlight“!

    Für mehr sportlich veranlagte Hundebesitzer ist das Fahrradfahren eine gute Möglichkeit überflüssigen Pfündchen Ihres Hundes zu Leibe zu rücken. Radfahren will aber gelernt sein, es braucht eine Phase der langsamen Eingewöhnung. Bevor Sie also auf`s Rad steigen, stellen Sie Ihren Vierbeiner noch mal in der Praxis vor und lassen abklären, ob diese Art der Bewegung für Ihren Hund gesund sein wird. Wir erklären Ihnen auch gern, wie Sie ihn am besten ans ungewohnte Laufen gewöhnen.

    Sportarten mit Hund, wie Agility oder Dog Dancing, oder aber Rettungshundearbeit, bergen das Risiko, die Leistungsgrenze der tierischen Sportler zu überschreiten. Betreiben Sie diese erst, wenn wir durch eine tierärztliche Untersuchung die absolute Tauglichkeit Ihres tierischen Kameraden bescheinigt haben. Denn niemand möchte doch schwere Gesundheitsschäden durch Sport hervorrufen. Bitte bedenken Sie, nicht alle Hunde sind Akrobaten und zum Leistungssportler geboren!

    Mit Sicherheit werden Sie aber herausfinden, welche Form der körperlichen Betätigung für Ihren Hund individuell geeignet ist, ihm und Ihnen Spaß macht und auch noch hilft, überflüssiges Gewicht zu reduzieren.

    Allerdings:
    Nur die genaue Einhaltung des Ernährungsplanes und tägliche Bewegung sind Voraussetzungen für die längere Gesunderhaltung Ihres Hundes –und dies liegt ganz allein in Ihrer Hand!



    Fitness für Kaninchen und Meerschweinchen:
    Die wilden Verwandten unserer Hauskaninchen oder Meerschweinchen sind mehr oder weniger „ständig auf der Flucht“, denn sie sind Beute für ober – und unterirdische Jäger zu Lande und aus der Luft. Deshalb leben Kaninchen in aufwendig angelegten Tunnel- und Höhlensystemen und beide Tierarten bewegen sich bei der Nahrungssuche und –aufnahme ständig hin und her. Kaninchen und Meerschweinchen haben, weil sie ursprünglich aus Gegenden mit nur spärlicher und qualitativ minderwertiger Vegetation kommen, ein Verdauungssystem, das aus sehr schlechtem Futter den maximalen Nährwert erzielt. Energiereiches Futter finden Kaninchen in freier Wildbahn dagegen fast nie, deshalb spielt Übergewicht bei den Wildformen unserer Heimtiere keine Rolle!
    Hauskaninchen und -meerschweinchen dagegen bekommen häufig zu viel vom falschen Futter und haben zudem auch viel zu wenige Bewegungsmöglichkeiten.

    Was ist denn „falsches“ Futter?

    Der Verdauungstrakt von Kaninchen und Meerschweinchen ist darauf ausgelegt, Gras zu fressen und zu verarbeiten und Wurzeln zu benagen! Die Vorderzähne schneiden das Futter ab, das dann von den Backenzähnen zermahlen wird. Diese Vorgänge benötigen Zeit und sind lebenswichtig für die Gesundheit der ständig nachwachsenden Zähne und für die Versorgung mit wichtigen Vitaminen aus dem Blinddarmkot.

    Das überall verkaufte, handelsübliche Fertigfutter dagegen muss nur kurz abgebissen und zerkaut werden, die Zähne reiben sich dabei kaum ab. Außerdem haben Pellets und bunte Mischfutter einen viel zu hohen Energiegehalt und Nährwert. Buntfutter führt außerdem zu einer sehr einseitigen Ernährung, denn die bevorzugten, „leckeren“ Anteile werden aufgenommen, der Rest aber verschmäht. Solche Futter wurden von der Industrie vor allem deshalb so schön gefärbt, damit sie bei deren Besitzern eher akzeptiert werden. Den Tieren selbst ist die Farbe herzlich egal!

    Zusätzlichen Schaden nehmen Heimtiere durch die Gabe von Leckerlis oder Belohnungshäppchen in Form von Drops und Snacks. Sie sind wegen des hohen Zucker- und Fettgehaltes absolut ungeeignet und extrem gesundheitsschädlich.

    Kaninchen und Meerschweinchen brauchen frische Gräser, Heu mit verschiedenen Gras- und Kräuterarten und Stroh. Löwenzahn ist eine willkommene Delikatesse genau wie Möhren (evtl. mitsamt Grün). Obst und getrocknetes Brot sind zu kohlehydrathaltig und sollten nur in kleinsten Mengen und nur zu besonderen Anlässen, wie z.B. zum Einüben kleiner Tricks (s.u.), gegeben werden.



    Dies ist eine Ration für zwei Kaninchen oder für zwei Meerschweinchen für zwei Wochen!







    So viel ist genug für ein Kaninchen oder Meerschwein für einen Tag!





    Übrigens:
    Falsches Futter hat nicht nur Auswirkungen auf das Körpergewicht, sondern auch auf das Verhalten der Tiere. Heimtiere, die hauptsächlich Kraftfutter bekommen und entsprechend wenig Zeit für die Nahrungsaufnahme benötigen, neigen nicht selten zu Verhaltensstörungen und erhöhter Aggressivität.

    Sie möchten, dass Ihr Kaninchen bzw. Meerschweinchen ein gesunderes Leben mit mehr Aktivität und mit gesunderem Futter lebt?
    Bitte stellen Sie nicht gleich heute das Futter radikal um, sondern reduzieren Sie allmählich die Kraftfuttermenge, da der Verdauungstrakt Ihres Hausgenossen sich erst umgewöhnen muss!

    Nicht nur falsches und zu viel Futter führt zu Übergewicht, sondern ebenso Bewegungsmangel, unter dem viele unserer Heimtiere leiden. Die Folgen sind eine deformierte Wirbelsäule oder Knochen- bzw. Muskelschäden.
    Häufig kann ein übergewichtiges Kaninchen oder Meerschwein, das wegen der Fettleibigkeit unbeweglich geworden ist, nicht mehr seinen Blinddarmkot vom After aufnehmen. So drohen bald lebensbedrohliche Mangelerscheinungen und Fehlverdauungsprozesse.
    Nicht selten versuchen die Tiere, den Mangel an Rohfasern durch Haare Fressen auszugleichen. Die finden sich oft als "Klette" um die Vorderzähne und sind ein wichtiges Alarmsignal.

    Halten Sie auf keinen Fall nur ein einzelnes Kaninchen oder ein einzelnes Meerschweinchen!!! Kaninchen brauchen zum Wohlfühlen Gesellschaft und mindestens ein weiteres Kaninchen, niemals aber ein Meerschweinchen, für die gegenseitige Körperpflege. Das selbe gilt auch für die kleinen Schweinchen: Auch wenn es in vielen Büchern steht und auch wenn es der Zoohändler behauptet und auch wenn die Nachbarin oder Freundin doch auch ein "gemischtes Doppel" hat: Meerschweinchen und Kaninchen sind zwei komplett unterschiedliche Tierarten mit einer völlig verschiedenen Körper- und Lautsprache. Sie "verstehen" sich nicht, sie arrangieren sich aber zwangsläufig, wenn sie denn von Menschen zusammengesperrt werden.

    Vergleichen könnten Sie dies für sich selbst:
    Wenn Sie müssten, würden Sie, in eine Zelle mit einem Schimpansen gesperrt, von der gleichen Nahrung leben können. Sie könnten sogar eine Art Kommunikation aufbauen. Aber wären Sie für den Rest Ihres Lebens mit einem solchen Arrangement glücklich? Oder hätten Sie nicht doch lieber artgerechten Kontakt zu Mitgliedern Ihrer eigenen Gattung?

    Warum also sollte dies nicht auch für Kaninchen und für Meerschweinchen gelten?

    Optimal ist ein großes Gehege im Garten mit festen wetterbeständigen Häusern und Grabmöglichkeiten, ganz wie im richtigen Leben. Es versteht sich von selbst, dass so ein Auslauf ausbruchsicher und vor Feinden, wie Nachbars Hund oder Katze und vor Greifvögeln geschützt sein muss. Mit Tonröhren, Baumstämmen, Ästen und Heuraufen können Sie eine artgerechte Heimtierlandschaft gestalten.

    Nicht jeder kann seine Kaninchen oder Meerschweinchen im eigenen Garten halten, aber auch für Wohnungstiere gibt es viele Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeiten. Voraussetzung ist ein entsprechend großer Käfig (handelsübliche Käfige sind fast immer zu klein), in dem die Tiere mindestens drei Hoppelsprünge machen können. Der Käfig sollte so hoch sein, dass eine zweite Aufenthaltsebene eingebaut werden kann, die das auf den Hinterbeinen Sitzen erlaubt. Im Käfig gehaltene Tiere brauchen mindestens einmal am Tag ausgiebigen Freilauf –natürlich unter Ihrer Aufsicht, da sie nicht nur Ihre Wohnungseinrichtung beschädigen können, sondern sich auch selbst in hohem Maße Schaden zufügen können (Teppich fressen, Elektrokabel anknabbern etc.).

    Auch reine Stubenkaninchen oder -meerschweinchen sollten die Möglichkeit zum Graben haben (hohe Kiste mit Sand und Heu). Auch Versteckmöglichkeiten wie kleine Holzhäuser, Pappkartons oder Röhren sollten vorhanden sein, um sich auch mal vom Partner zurückziehen zu können.

    Wie können Sie Ihre Kaninchen oder Meerschweinchen zu mehr Bewegung animieren?
    Spielzeug, bevorzugt solches von Katzen, kann für Heimtiere, die von klein auf daran gewöhnt wurden, sehr attraktiv sein und Abwechslung in den Tagesablauf bringen. Aber auch ältere Kaninchen oder Schweinchen sind durchaus lernfähig!

    Hängen Sie Futter, z.B. Möhrengrün, an der Käfigdecke auf, so dass sich Ihr Heimtier, wenn es fressen möchte, im wahrsten Sinne des Wortes nach der Decke strecken muss oder verstecken die Möhren bzw. das Heu in den Innenrollen von Haushalts- und Toilettenpapier. So verbrauchen Kaninchen und Meerschweinchen ein paar Kalorien bei der Futtersuche und sind sinnvoll beschäftigt.

    Sie können in Ihrer Wohnung auch einen kleinen Hindernisparcours bauen und Ihren Tieren beibringen, durch Röhren zu laufen oder niedrige Hindernisse zu überwinden. Bitte beachten Sie aber, dass Heimtiere normaler Weise keine geborenen Hochspringer sind, sondern sich hoppelnd oder laufend durchs Leben bewegen. Nur in äußersten Notfällen auf der Flucht oder wenn sie in Panik geraten sind sie zu spektakulären Sprüngen fähig, wobei sie sich nicht selten bei der Landung erheblich verletzen. Erwachsene bisher nur im Käfig gehaltene Kaninchen oder Schweinchen eignen sich meist nicht für sportliche Leistungen, da ihre Knochen und Muskeln nicht ausreichend belastbar sind. Jungtiere dagegen profitieren vom behutsamem, wohldosierten Training.

    Eine weitere Möglichkeit, vor allem Kaninchen Bewegung zu verschaffen, ist das vorsichtige Gewöhnen an Geschirr und Leine für kleine gemeinsame Spaziergänge, bei denen immer Ihre Kaninchen die Richtung bestimmen sollten und nicht Sie, wie Sie es bei einem Hund machen würden.

    Sie können Ihren Schweinchen oder den Kaninchen auch kleine Tricks beibringen wie z.B. "Männchen machen" oder auf Kommando in eine Transportbox laufen (ist sehr nützlich für Tierarztbesuche). Wichtig ist das gewünschte Verhalten, wenn es von allein gezeigt wird, mit einem entsprechenden Kommando und einer sofortigen Belohnung (z.B. winziges Apfel- oder Gurkenstückchen) zu kombinieren. Halten Sie ihm den kleinen Leckerbissen über den Kopf des Tieres, so dass es sich aufrichten muss, um es zu erreichen, im gleichen Moment sagen Sie z.B. "Sitz" und geben die Belohnung. Diese Übung sollten Sie viele Male wiederholen, damit Ihre Tiere lernen können, was das Wort "Sitz" bedeutet.

    Sie möchten noch mehr wissen?
    Wenn Sie ein wenig Englisch können, finden Sie weitere Anregungen im Buch von
    Anne Mc Bride, Why Does My Rabbit....?, ISBN 0-285-63550-6



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf