Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie
Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt, wen sonst?

    Häufig werden wir gefragt, ob wir „mal eben“ eine Wurmkur oder ein Flohmittel für ein Tier verkaufen könnten, das nicht Patient dieser Praxis ist.
    Dürfen wir nicht!

    Denn der Gesetzgeber hat genau geregelt, wie die Medikamentenabgabe erfolgen muss. Im Sinn hatte man zwar vor allem die Sicherheit, der vom Tier stammenden Lebensmittel. Das Arzneimittelgesetz erstreckt sich aber auch auf alle Haus- und Heimtiere.

    Tierärztinnen und Tierärzten ist es gesetzlich erlaubt, eine so genannte Hausapotheke zu führen. Während des Studiums legen sie Prüfungen ab, in denen es um den richtigen Einsatz von Tiermedikamenten geht. Im Gegensatz zu „normalen“ Apothekern, in deren Studium Tiere überhaupt nicht vorkommen, lernen Tierärzte etwas über die besondere Wirkungsweise bei den verschiedenen Tierarten und über spezielle Dosisansprüche bei unterschiedlich alten Tieren.

    Da auch Tiere behandelt werden, deren Fleisch für den menschlichen Verzehr verwendet werden kann, wird großer Wert auf die Vermittlung von Kenntnissen über schädliche Wirkungen auf den menschlichen Organismus gelegt.

    „Normale“ Apotheker wissen über diese Probleme nichts, denn sie lernen in ihrem Studium nur etwas über eine einzige „Tierart“, nämlich den Menschen. Wenn es also um Fragen zu einem Medikament geht, das bei einem Tier eingesetzt werden soll, gilt der abgewandelte Satz:

    Zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten für Tiere fragen Sie Ihre Tierärztin, aber nie Ihre(n) Apotheker/-in.


    Welche Mittel werden in Tierarztpraxen vorrätig gehalten?
    Eingesetzt werden alle Arten von Medikamenten.

    Apothekenpflichtige Medikamente
    Dies sind z.B. bestimmte Anti – Floh – Tropfen, Mittel gegen Bandwürmer, bestimmte Zecken – oder Flohhalsbänder oder aber auch bestimmte Magen – oder Lebertabletten. Auch viele homöopathische Mittel sind apothekenpflichtig. Sie dürfen deshalb nicht frei gehandelt werden, weil sie Nebenwirkungen haben können, auf die Sie fachkompetent hingewiesen werden sollten.

    Auch diese Mittel dürfen Tierärzte nur an in der Praxis bekannte Patienten abgeben. Besonders problematisch sind übrigens bestimmte, „nur“ apothekenpflichtige Augenmittel, wenn sie ohne vorherige Augenuntersuchung eingesetzt werden. Sie enthalten Substanzen, die zwar für Menschen meist ungefährlich sind, das Augenlicht eines Tieres aber innerhalb eines Tages zerstören können. Verwenden Sie deshalb niemals eigene Augentropfen oder ein Präparat, zu dem ein Apotheker geraten hat, ohne dass der Patient vorher tierärztlich untersucht wurde.



    Dieser Hund bekam Augentropfen, die der Besitzer verordnet bekommen hatte. Sein Augenlicht konnte mit Mühe gerettet werden.




    Die Besitzer dieses Kaninchen verließen sich auf den "kompetenten" Rat des Apothekers und verabreichten verschreibungsfreie Augentropfen. Dumm nur, dass das Tier kein Problem mit den Augen, sondern eines mit den Zähnen hatte. Ein wirklich "kompetenter" Apotheker hätte die Besitzer in eine Tierarztpraxis zur Untersuchung geschickt. Dann hätte das Kaninchen nicht eingeschläfert werden müssen!

    Verschreibungspflichtige Medikamente
    Da die Mittel meist in der Praxis vorhanden sind, entfällt die Gebührfür die Ausstellung des Rezepts, wie Sie sie von Ihrem Menschenarzt kennen. Die „Verschreibung“ ist sozusagen Teil der Behandlung.

    Verschreibungspflichtig sind z.B. Antibiotika und Herzmedikamente, die nur nach genauer Diagnose in der Ihrem Tier gemäßen Form verabreicht werden. Auch die meisten Medikamente gegen Augenkrankheiten sind aus gutem Grund verschreibungspflichtig. Viele Tropfen richten bei falscher Anwendung nämlich große, teilweise nicht mehr zu reparierende Schäden an. (s.o.) Weithin unbekannt ist, dass auch Wurmkuren gegen Spul -, Haken- oder Peitschenwürmer verschreibungspflichtig sind.

    Das bedeutet eben, dass diese Medikamente nur von Tierärzten verordnet werden dürfen, wenn der dazugehörige Patient oder eine Stuhlprobe entweder am Tag der Abgabe untersucht wurde, oder aber wenn aus vorherigen Besuchen sein Gesundheitsstatus bekannt ist. Deshalb ist es aber eben auch nicht erlaubt, ein Wurmmittel abzugeben, ohne den Patienten zu kennen. Apotheker, die dies tun, machen sich strafbar, ebenso Tierärzte/ -innen, die ohne Untersuchung verschreibungspflichtige Mittel abgeben!

    Manchmal gibt es billigere Menschen - Mittel, die die selben Wirkstoffe enthalten. Diese dürfen Tierärzte nicht verschreiben, wenn ein gleiches Tierarzneimittel in Deutschland zur Verfügung steht. Das mag ärgerlich sein, aber die Gesetzgebung hat diese unlogische Bestimmung ausdrücklich so vorgeschrieben, also haben sich Tierärzte, Tierbesitzer und Apotheker daran zu halten. Schließlich fahren Sie doch auch nicht über eine rote Ampel, nur weil da gerade kein Polizist steht, der Sie anzeigen könnte, oder?

    Sie möchten doch lieber Ihre Tiermedikamente beim „normalen“ Apotheker kaufen?
    Kein Problem, es wird dann allerdings ein wenig teurer! Alle verschreibungspflichtigen Mittel von Firmen, die den Apothekergroßhandel beliefern (etwa 30% der Veterinär – Pharmafirmen) könnten sie auch mittels eines Rezeptes aus einer Tierarztpraxis (ca. 5 €) erwerben. Das Medikament kostet übrigens in der Tierarztpraxis oft weniger, als in einer „normalen“ Apotheke. Es verteuert sich aber eben um den Preis des Rezeptes, das Sie ja nicht benötigen, wenn Sie das Medikament gleich in der Praxis erwerben. Eine Untersuchung Ihres Tieres ist natürlich trotzdem weiterhin unumgänglich, um zu wissen, ob es das Mittel benötigt und ob es die Medizin wahrscheinlich auch vertragen wird. Hierbei spielen auch haftungsrechtliche Ansprüche eine Rolle. Apotheker, die verschreibungspflichtige Medikamente, z.B. eine Wurmkur gegen Rundwürmer, ohne Vorlage eines Rezeptes an Sie verkaufen, machen sich strafbar und riskieren damit leichtsinnig ihre Zulassung. Wenn Sie selbst eine solche Handlung in Auftrag geben, machen auch Sie sich strafbar.

    Übrigens:
    Etwa 70% der Veterinär-Pharmafirmen beliefern ausschließlich Tierärzte. Deren Medikamente bekommen Sie dann überhaupt nicht in den Apotheken, dafür sind diese nur in Tierarztpraxen erhältlichen Arzneien meist deutlich billiger, als die in der Apotheke.

    Persönliche Anmerkung:
    Ich bin immer wieder erstaunt, dass es offensichtlich eine Menge Tierbesitzer/innen gibt, die es bequemer finden, mehr Geld für das selbe Medikament auszugeben, nur um, aus welchen Gründen auch immer, den Besuch in ihrer Tierarztpraxis zu vermeiden. Wirklich logisch ist das meiner Ansicht nach nicht!



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf