Ratten


    Ratten sind in den letzten Jahren zu immer beliebteren Haustieren geworden, und das zu Recht. Schon heute rangiert die Ratte unter den Heimtieren auf der Beliebtheitsskala auf Rang 3 hinter Kaninchen und Meerschweinchen. Wer sich darauf einlässt und alte Vorurteile über Bord wirft, wird schon bald merken, warum.

    Ratten sind um ein Vielfaches intelligenter als andere Heimtiere dieser Größe. Sie sind sehr gesellig, verspielt, verschmust und bei richtiger Aufzucht nie bissig (beim Kauf darauf achten!). Damit sind sie auch sehr geeignet für Kinder, immer unter der Vorraussetzung natürlich, dass die Eltern die Verantwortung für den artgerechten Umgang, die aufmerksame Pflege und die Finanzierung der tierärztlichen Betreuung ausdrücklich übernehmen.

    Ratten sollten nicht allein, sondern mindestens zu zweit gehalten werden. Gleichgeschlechtliche Pärchen vertragen sich meistens (mit Ausnahmen!) schlechter, als heterosexuelle. Nachteil: Eine/r der Partner muss kastriert werden, wenn ständiger Nachwuchs nicht erwünscht ist. Ratten gleichen Geschlechts aus einem Wurf lassen sich aber meist gut vergesellschaften.

    Sie möchten sich Ratten anschaffen?
    Verantwortungsvolle Züchter sammeln zunächst "Bestellungen" und verpaaren Ratten erst, wenn sich genügend Interessenten für den Nachwuchs gefunden haben. Vorteil: Es entstehen keine unerwünschten Überschüsse, die als "Notfallratten" vermittelt werden müssen. Außerdem kann besser auf gesunde Rassen selektioniert werden, ein immenser Vorteil bei der doch kurzen Lebensdauer dieser Tiere.

    Deshalb mein Rat:
    Auch wenn sie noch so niedlich sind, und auch wenn sich gerade bei Ihnen der Wunsch nach Ratten regt: Erwerben Sie Ihre Ratten NIE spontan, sondern immer überlegt, nach Absprache mit der Züchterin/ dem Züchter. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie auch unter www.ratten.de.

    Männliche Ratten werden bis 500g, weibliche bis 350g schwer. Sie werden mit 6 Wochen (!) geschlechtsreif, zur Zucht sollten sie aber frühestens mit 9 Wochen eingesetzt werden. Nach einer Trächtigkeitszeit von ca. 22 Tagen werfen Rättinnen 4 bis 14 unbehaarte, kleinfingergroße Junge, die nach 10 - 12 Tagen die Augen öffnen.

    Die Lebenserwartung einer Ratte liegt zwischen 2,5 bis maximal 4 Jahren, d.h. 1 Monat eines Rattenlebens entspricht etwa 2 Menschenjahren. Daran sollte man ruhig denken, wenn es um die Entscheidung geht, ob sich denn eine tierärztliche Behandlung noch "lohnt". Wer hätte nicht gern noch 4 oder 6 weitere Jahre ( entsprechend 3 Rattenmonaten... ) zu leben?

    Damit Sie in dieser Zeit möglichst viel Freude mit Ihren Tieren haben, sind auf dieser Seite einige Informationen zusammengetragen. Diese sollen Ihnen helfen, Krankheiten weitgehend zu verhindern oder zumindestens so früh zu erkennen, dass noch Hilfe möglich ist. Manches aber ist auch normale, artspezifische anatomische Besonderheit:

    Besonders die älteren oder kranke Ratten werden häufig in Praxen vorgestellt, weil sie scheinbar blutigen Ausfluss aus den Augen zeigen. Glücklicher Weise handelt es sich aber nicht um Blut, sondern um das an der Luft rot gewordene Sekret der Harderschen Drüse . Sie liegt hinter den Augen und sondert ein Sekret ab, das bei kranken und sehr alten Tieren oft verklebt. Rote Augen sind also keine blutenden Augen, zeigen aber wohl an, dass es dem Tier nicht gut geht.

    Der Magen ist mit einer Falte in 2 Abteilungen getrennt, so dass Ratten nicht erbrechen können. Er fasst maximal 15 ml Futter (wichtig beim Zwangsernähren bei Krankheit: nicht mehr als 2-3 ml auf einmal einflößen). Da Ratten eben nicht erbrechen können, müssen bzw. dürfen sie vor Narkosen nicht ohne Futter bleiben.

    Die Leber entspricht gewichtsmäßig 5 % des Körpergewichts, sie ist damit relativ sehr groß. Auf Röntgenaufnahmen ragt sie oft weiter in den Bauchraum hinein, als bei anderen Tieren. Manchmal kann man sie auch fühlen. Die Gallenblase fehlt allen Ratten.

    Wie bei vielen anderen Nagetieren auch, erfolgt ein Eisprung (Ovulation) bei der Rättin erst, wenn er "provoziert", d.h. er durch einen Deckakt ausgelöst wird. Bei einzeln gehaltenen Rättinen verbleiben durch das Fehlen eines Partners oft viele Eizellen auf dem Eierstock. So entstehen Zysten - Eierstöcke und die Tiere entwickeln als Folge der Hormon - Überproduktion eine lebensbedrohliche Anämie (Blutarmut) oder eine Osteoporose. Auch deshalb ist eine Paarhaltung oder Gruppenhaltung eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Rattenleben.

    Die Geschlechts-Differenzierung ist bei ausgewachsenen Ratten natürlich kein Problem! Bei Jungratten unterscheidet man die Geschlechter an der Zahl und am Abstand der Öffnungen: Männchen haben 2 Öffnungen: Anus und Penis, die weit auseinander liegen; Weibchen haben 3 Öffnungen: Anus, Vagina und Blasenausgang, die näher beieinander liegen.

    Und jetzt ein bisschen Wissenswertes über Krankheiten:
    Wie schon gesagt, Ratten heben eine kurze Lebenserwartung. Deshalb sollte allen Krankheitsanzeichen besondere Beachtung gleich zu Beginn ihres Auftretens geschenkt werden. Auch wenn hier ein anderer Eindruck enstehen mag: Farbratten sind nicht häufiger und nicht komplizierter krank, als andere Tierarten auch!

    Atemwegserkrankungen
    gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Ratten. Fast jeder Rattenhalter wird über kurz oder lang damit zu tun bekommen.

    Atemwegsinfektionen werden meist durch Bakterien oder bakterienähnliche Erreger verursacht (z.B. durch Pasteurellen, Streptokokken, Corynebakterien und vor allem Mycoplasmen).

    Gar nicht selten beherbergen Ratten einen oder mehrere Erreger, ohne sichtbar zu erkranken. Häufig werden sie schon von den Muttertieren auf die Babys übertragen (z.B. bei Mycoplasmen). Das versteckte Leben der Erreger macht den Nachweis besonders schwierig, zumal die Keime als " Nest" unzugängliche Orte, wie das Innenohr, bevorzugen. Solange die Tiere artgerecht in luftigen Käfigen gehalten werden und solange sie noch jung sind, ihr Immunsystem also noch ausreichend funktioniert, reicht die körpereigene Abwehr meist aus, um den Ausbruch der Erkrankungen zu verhindern.

    Ältere Ratten, „Notfallratten“ oder solche, die aus Massenzuchten stammen, haben häufig ein sehr schlecht ausgebildetes Immunsystem. Bei ihnen sieht man die typischen Ausprägungen der Mykoplasmose. Die Atmung fällt schwer, häufig hört man die Tiere niesen. Die Pfoten werden kälter, die Haut bekommt einen leichten „Stich“ ins Lilafarbene und es finden sich „rote Tränen“. Hauptsymptom bleibt zwar die röchelnde, fiepsende und erschwerte Atmung, oft fressen die Ratten aber auch nicht mehr gut, werden dünner und bekommen ein schütteres Fell. Da die Symptome aller Atemwegserkrankungen recht ähnlich aussehen, kann in der Praxis häufig nicht zwischen den Erregern unterschieden werden.

    Je nach Grad der Erkrankung muss der Tierarzt/ die Tierärztin entscheiden, welche Maßnahmen zur Behandlung eingesetzt werden sollen. Häufig genügt es, das Immunsystem zur Arbeit anzuregen und gleichzeitig das Tier mit allen notwendigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Dabei sei gewarnt vor einer unkontrollierten Vitamingabe, da sich bestimmte Vitamine (A/D/E) im Körper anreichern können und erst Recht zu Erkrankungen führen können.

    Im Falle der Mykoplasmose wäre es prinzipiell möglich, vorbeugend alle Ratten zu impfen. Dies wäre vor allem deshalb wünschenswert, weil die Erkrankung, auch durch Laboruntersuchungen, außerordentlich schwierig (und teuer) nachzuweisen ist. Bisher sieht aber leider die Impfstoffindustrie nicht genügend Marktperspektive, um einen solchen Impfstoff zu vertreiben. Hiermit bitte ich also alle Rattenhalter/-innen, an die Impfstoffindustrie eine Email zu schicken, damit diese von der Notwendigkeit eines Impfstoffes gegen Mykoplasmen überzeugt werden können.

    In schwereren Fällen wird es oft unumgänglich sein, die Ratte mit Antibiotika zu versorgen. Eine eingeleitete Antibiotikatherapie ist dann immer konsequent nach Vorgaben des Tierarztes/ der Tierärztin durchzuführen, damit sich unter den Bakterien keine Resistenzen bilden. Antibiotika sollten deshalb auch NIEMALS ohne vorherige Untersuchung durch eine/n Tierarzt/ Tierärztin eingesetzt werden.

    In besonders schweren Fällen wird der Tierarzt/ die Tierärztin evtl. auch empfehlen, eine Röntgenaufnahme von der Lunge anzufertigen, da dann noch besser entschieden werden kann, ob eine Therapie überhaupt noch sinnvoll ist oder ob es nicht besser wäre, die Ratte nicht länger leiden zu lassen. Trotz konsequenter und richtiger Therapie ist manchmal keine Besserung zu erzielen! In diesen Fällen ist eine Euthanasie oft die "humanste" Art, der Ratte noch zu helfen.

    Oft treten die Symptome nach Absetzen der Medikamente schnell wieder auf. Dieses ist v.a. bei älteren Tieren oft der Fall. Ursachen können sein: das Immunsystem ist schon zu stark geschwächt die Bakterien haben schon bleibenden Schaden in der Lunge verursacht, der vom Körper nicht mehr repariert werden kann die Bakterien sind resistent gegenüber dem eingesetzten Antibiotikum oder es haben sich Tumoren in der Lunge gebildet

    Damit es dazu nicht kommt, hier einige Vorschläge zur Prophylaxe (Vorbeugung)
    Halten Sie den Käfig der Ratte immer peinlich sauber , v.a. die Urinecke muss täglich gesäubert werden. Kontrollieren Sie gegebenenfalls, ob Ihre Kinder dies nicht "vergessen" haben.

    Halten Sie Ratten NICHT in umgebauten Aquarien, sondern immer in mehrstöckigen, luftigen großen Rattenkäfigen oder –häusern. Zwischen Glaswänden sammelt sich Ammoniak aus dem Urin in der Luft an, der das Atmen erschwert.

    Achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. So stärken Sie das Immunsystem. Vermeiden Sie Übergewicht, der beste Weg zu einem langen (Ratten-)Leben.

    Vermeiden Sie jeden Stress und halten Sie deshalb nur Tiere in einem Käfig, die sich nicht bekämpfen, sondern sich gut vertragen.

    Suchen Sie bei den ERSTEN Atemwegssymptomen tierärztliche Hilfe, um die Erkrankung möglichst gar nicht erst aufflammen zu lassen.

    Und bitte: Befolgen Sie die Anweisungen des Tierarztes/ der Tierärztin!

    Krankheiten durch Parasiten
    Parasiten sind bei Ratten sehr oft zu finden, auch bei solchen, die immer nur in der Wohnung gehalten werden. Damit man sie schneller erkennt und behandeln kann, hier einige Informationen. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben.

    1. Endoparasiten (in der Ratte lebend)
    Als Ursache für Durchfall, Abmagerung oder schlechtes Wachstum bei Jungratten treten bei Ratten Protozoen (Einzeller) (z.B. Spironucleus und Giardia muris) auf. Die Diagnose wird mikroskopisch, aus frischem Kot, gestellt.
    Bandwürmer werden durch Insekten übertragen und leben in der Regel unauffällig in der Ratte. Nur bei ganz starkem Befall zeigen die Ratten Abmagerung, Durchfall oder Verstopfung/Darmverschluss. Manchmal sieht man auf oder im Kot kleine, sich bewegende Stücke vom Bandwurm.

    Im Blind- und Dickdarm leben Rundwürmer. Sie geben ihre Eier mit dem Rattenkot nach außen ab. Die Eier können sich um den Anus festsetzen und dort zu Juckreiz führen.
    Folgen:
    Die Fruchtbarkeit kann herabsetzt sein und die Ratten „kümmern“. Ein starker Befall mit Rundwürmern kann zu einem Darmverschluss führen. Steht also die Ratte aufgekümmt, und setzt sie keinen Kot mehr ab (zur Kontrolle mal 1 - 2 Stunden im Einzelkäfig halten!), ist sie ein akuter Notfall, auch nachts, auch am Wochenende!

    Ratten, die Kontakt zu Wildratten oder deren Umgebung haben, können sich mit einem Rundwurm anstecken, der im Nierenbecken und in der Harnblase lebt. Die Eier dieses Wurms werden in unregelmäßigen Abständen mit dem Urin ausgeschieden, was die Diagnose erschwert. Folge eines schweren Befalls können Nierenschäden sein.

    2. Ektoparasiten (auf der Ratte lebend)
    Haarlinge und v.a. Läuse kommen recht häufig bei der Ratte vor, v.a. in größeren Beständen und bei mangelnder Hygiene. Aber auch bei bestmöglicher Haltung ist man dann nicht vor Läusen gefeit, wenn regelmäßig Tiere dazukommen oder Pflegetiere aufgenommen werden. Die Parasiten sitzen bevorzugt an Hals Schulter und Rücken, saugen Blut und verursachen starken Juckreiz und bei starkem Befall auch Blutarmut. Sowohl die sich bewegenden Tierchen als auch die an den Haaren festsitzenden Eier (Nissen) sind mit bloßem Auge sichtbar. Folge eines Läusebefalls und des starken Juckreizes sind häufig unentwegtes Kratzen, womit sich die Ratten oft selbst große Wunden, in erster Linie im Nackenbereich, zufügen. Diese werden oft mit Bissverletzungen verwechselt (und umgekehrt). Eine genaue Besichtigung der Ratten, evtl. unter Zuhilfenahme einer Lupe, ist also unbedingt erforderlich, um die richtige Therapie einleiten zu können.

    Sehr selten können Rattenläuse Hämobartonellen übertragen, die binnen einiger Tage durch Milz- und Leberschädigung zum Tod führen können.

    Milben sind besonders häufig auf Ratten anzutreffende Parasiten.. Es gibt verschiedene Arten, die zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen. Einige Milben rufen Juckreiz, Haarausfall, struppiges Fell und schuppige Haut hervor, v.a. an Kopf, Hals und Ohren. In Folge des starken Juckreizes kann es im Extremfall zu Krämpfen und Lähmungen kommen.

    Eine andere Milbenart, Notoedres Muris, regt die Haut zur Bildung von Hornhaut an, die dann wie Warzen an Ohren, Nase und Schwanz sitzen, was sehr auffällig ist. Auch Bläschen und gelbe Krusten sind möglich.

    Flöhe sind Gott sei Dank bei Ratten selten. Da auch ein Hunde- oder Katzenfloh Ratten befallen kann, sollten, falls gleichzeitig mit im Haushalt lebende Hunde und Katzen Flöhe haben, auch die Ratten auf Flöhe untersucht und gegebenenfalls behandelt werden.

    Alle Endo- und Ektoparasiten sind mit den geeigneten Mitteln heutzutage problemlos und unschädlich für die Ratte zu bekämpfen. Die geeigneten Mittel kennt Ihre Tierarztpraxis. Warnen möchte ich auch hier ausdrücklich und bestimmt vor dem Kauf irgendwelcher Mittel aus dem Zoohandel, der Drogerie oder der Apotheke. Möglicher Weise wirken einige Mittel zwar zunächst offensichtlich gut, viele enthalten aber Substanzen, die nicht nur für die Ratte sondern auch für den Menschen gefährlich sein können. Da der Weg in die nächste Tierarztpraxis oft nicht weiter ist als der zum Zooladen, und da die Mittel oft bei den Tierärzten sogar billiger sind, als dort, gibt es für mich eigentlich keinen Grund, weshalb man nicht den Fachmann/die Fachfrau fragen sollte. Tierärzte dürfen übrigens ihre eigene Apotheke führen - im Gegensatz zu den Humanärzten -, weshalb sie die geeigneten Medikamente meist auch vorrätig haben.

    Krankheiten der Sinnesorgane und des Nervensystems

    Augen:
    Bei rotäugigen Ratten kann sich die Netzhaut im Laufe der Zeit durch die zu starke Lichteinstrahlung zurückbilden, was zur Erblindung führen kann. Albinoratten sollten deshalb nicht ständig im Sonnenlicht stehen. Die immer wieder beobachteten roten Augen (Chromodakryorrhoe) sind Folge einer vermehrten Sekretabgabe der bei Ratten und Mäusen vorkommenden Harderschen Drüse, die hinter den Augen liegt. Dieses ist ein Zeichen dafür, dass es der Ratte nicht gut geht - also: ab in die nächste Tierarztpraxis!

    Ohren:
    Entzündungen des äußeren Ohres findet man bei mangelnder Körperpflege der Tiere (sekundär!), dann häufig zusammen mit bakteriellem Befall. Warzenähnliche Wucherungen am Ohrrand werden oft durch bestimmte Räudemilben verursacht.

    Mittel- und Innenohrentzündungen führen zum Schiefhalten des Kopfes, unkoordiniertem Laufen, Apathie und Fressunlust. Bei jeder auch nur geringen Schiefhaltung des Kopfes sollte umgehend tierärztliche Hilfe gesucht werden, weil sonst die Gefahr besteht, das die Therapie nicht mehr rechtzeitig anschlägt. Häufig sind Mykoplasmen als Ursache beteiligt, ein weiterer Grund, dringend eine Impfung zu entwickeln. Außerdem ist so eine Ohrenentzündung ( wie ja jede/r weiß, der selbst mal eine hatte) sehr schmerzhaft.

    Erkrankungen des Nervensystems
    Appetitlosigkeit, Durchfall, Verstopfung, Lähmungen, Inkoordination, Kopfschiefhalten usw., können Hinweise auf eine Schädigung des Nervensystems sein. Neben einer Innenohrentzündung können z.B. auch Hirnhautentzündungen, Verletzungen nach Stürzen, Abszesse oder Schlaganfälle solche Krankheitsbilder verursachen.

    Treten gleichzeitig mit Ausfallerscheinungen auch die Augen stark hervor, liegt bei der Ratte sehr oft ein Tumor der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) vor. Er kann nicht therapiert werden.

    Bekannt ist bei der Ratte auch eine fortschreitende Rückbildung des Rückenmarks, was zur Lahmheit der Hintergliedmaßen führt. Bei übergewichtigen (!!) Ratten ist dieses Syndrom häufiger zu beobachten als bei normalgewichtigen. Eine Therapie gibt es nicht, Linderung erfährt die eine oder andere Patientin aber durch eine Magnetfeldtherapie mit einem pulsierenden Magnetfeld. Fragen Sie, ob Ihre Tierarztpraxis so etwas anbietet oder lassen Sie sich zu einer entsprechenden Praxis überweisen.

    Krankheiten der Verdauungsorgane

    Zähne:
    Fehlstellungen der Frontzähne sind bei Ratten häufig. Ursachen können angeborene Kieferfehlstellungen, Kieferverletzungen, schlechte Abnutzung, Entzündungen und, im Alter schlechtes Wachstum der Zähne sein.





    Hauptsymptome: Die Ratten fressen und trinken nicht mehr richtig, zeigen oft Schmerzsymptome, magern ab und speicheln. Durch den Speichel können Hautentzündungen um das Maul entstehen.

    Therapie:
    Die anormalen Zähne müssen dann regelmäßig gekürzt werden - etwa alle 6 Wochen - und natürlich müssen Entzündungen oder Verletzungen der Maulschleimhaut behandelt werden. Vorsorglich sollte jeder Rattenhalter regelmäßig die Zähne seiner Tiere kontrollieren.

    Probleme mit den Backenzähnen sind bei Ratten eher selten. Allerdings sind die Folgen dann oft gravierend, so gut wie immer lebensbedrohlich: Die Zähne schneiden in die Maulschleimhaut und in die Zunge ein. Die schmerzhafte Entzündung lässt die Tiere schnell das Futter verweigern. Außerdem dringen die Bakterien, die als Folge der Verletzung auftreten, in die Kieferknochen ein und verursachen dort Auftreibungen, die man auf dem Röntgenbild sieht und die man auch von außen ertasten kann. Meist sind solche Ratten nicht zu therapieren. Einzige Möglichkeit, die Krankheit rechtzeitig zu erkennen, ist die regelmäßige Kontrolle des Gewichts: Nehmen die Tiere ab, müssen sie schnellstmöglich in der Tierarztpraxis untersucht werden!



    Magen- Darm- Kanal:
    Bedingt durch Langeweile, Juckreiz, oder auch durch Mangel an Rohfaser, Eiweiß, Kupfer und Magnesium, beginnen manche Ratten, sich das Fell auszulecken oder auszurupfen und dieses aufzufressen. Hierdurch können sich Haarballen (Bezoare) im Magen bilden, was zu Futterverweigerung oder Abmagerung führt. Nach genauer Diagnose (Röntgen) müssen diese Haarballen schnellstens in einer Operation aus dem Magen entfernt werden.

    Besonders neugierige Ratten fressen manchmal Dinge, die sie besser nicht fressen sollten, was dann in einer Fremdkörper -Operation enden kann. Also Vorsicht beim Spielen mit allem, was unverdaulich ist.

    Durchfall ist bei Ratten recht selten, kann aber durch verschiedene Bakterien ausgelöst werden. Auch eine falsche Fütterung mit zuviel „Menschenkost“ kann das Darmgleichgewicht kippen und für Durchfall verantwortlich sein.

    Verstopfung kann durch Würmer, Fremdkörper oder Haarballen entstehen. Sie muss immer durch die Tierarztpraxis abgeklärt werden.

    Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane

    Nierenerkrankungen sind zwar häufig bei Ratten, führen aber fast nie zu Symptomen, daher werden sie nur selten diagnostiziert. Aufschluss bei einem diesbezüglichen Verdacht kann nur eine Blutuntersuchung bringen. Bei Kontakt mit Wildratten oder deren Umgebung können sich Ratten mit Nieren- und Blasenwürmern sowie mit Leptospirose anstecken. Beide Infektionen führen meist nicht zu sichtbaren Erkrankungen. Da Leptospirose, eine bakterielle Erkrankung, aber auf den Menschen übertragbar ist, sollten im Haus gehaltene Ratten nie (!!) Kontakt zu Wildratten bekommen und auch nicht draußen laufen gelassen werden.

    Blasenentzündungen und auch Blasensteine kommen bei Ratten gelegentlich vor. Entzündungen sind v.a. bei weiblichen Tieren zu beobachten. Bei plötzlich eintretender häufiger Urinabgabe und evtl. vermehrtem Trinken sollte geklärt werden, ob eine der beiden Krankheiten vorliegt. Die Tierarztpraxis benötigt möglichst eine Urinprobe. Diese gewinnt man, wenn man alle Streu und das Futter entfernt , den Käfigboden gründlich säubert und den Urin mit einer Spritze aufsaugt.

    Die bei Rattenhaltern gefürchteten Mykoplasmen können nicht nur das Atemwegssystem sondern auch den weiblichen Geschlechtsapparat befallen und zur Genitalmykoplasmose führen. Symptome: Herabgesetzte Fruchtbarkeit, embryonaler Fruchttod und geringe Wurfgröße. Aber auch bei Liebhabertieren kommt es durch Mykoplasmen, aber auch durch andere Erregen oft zu Gebärmutterentzündungen und –vereiterungen, die oft nur schwer, wenn überhaupt, in den Griff zu bekommen sind. Manchmal hilft nur eine Notfall-Kastration, um der Ratte das Leben zu retten.

    In nicht penibel sauber geführten Rattenhaltungen beobachtet man in der Säugeperiode oft Gesäugeentzündungen. Die Tiere zeigen gerötete, schmerzhaft geschwolleneBrustdrüsen. Dies ist ein Notfall, der sofort, wenn er beobachtet wird, tierärztlich behandelt werden muss, auch nachts, auch am Wochenende! Eine einwandfreie und artgerechte, luftige Haltung in ausreichend großen Ställen kann die Erkrankung meist verhindern.

    Tumoren
    Gesäugetumoren sind die häufigsten Tumoren bei der Ratte. Aber auch in der Achsel, in der Leiste oder auch im Bauchraum werden sie zunehmend beobachtet. Tumoren sind eine typische Erkrankung der älteren Ratte ab etwa 1 - 1,5 Jahren. Meist sind sie gutartig und lassen sich chirurgisch recht problemlos entfernen. Wie bei allen Tumoren gilt auch hier: Kleine Tumoren bereiten der Chirurgin nur kleine Probleme, große dagegen fordern oft das Unmögliche! Also: Immer schon bei kleinen Tumoren ab in die nächste Tierarztpraxis!

    Die abgebildete Ratte hat die Operation ohne Probleme und mit einem weiteren Jahr Lebenserwartung überstanden.

    Zunächst werden die Ratten (in meiner Praxis) mit einer Beruhigungsspritze etwas sediert.
    Nach dem Rasieren sind die Tumoren meist erst richtig zu sehen.

    Nachdem vorbereitende Medikamente (subkutane Infusionen, nierenstimulierende Medikamente, eventuell Antibiotika) verabreicht wurden, bekommen sie eine speziell für Ratten gebastelte Narkosemaske aufgesetzt, die ihnen ein Gemisch aus Sauerstoff und Isofluran, einem recht teuren, aber sehr sicheren Narkosegas zuleitet.

    Nach der Reinigung und Desinfektion wird der Tumor zunächst vorsichtig vom umgebenden Gewebe gelöst. Dabei werden eventuelle Blutungen mit einem Elektrochirurgiegerät sofort gestillt, damit die Ratte nicht zu viel Blut verliert.

    Häufigstes Problem bei Tumoroperationen ist nicht die Narkose, auch nicht die Entzündung, sondern das natürliche Putzverhalten der Ratten. Manchmal werden alle Nahtfäden systematisch entfernt, bevor die Wunde ein Chance zur Heilung bekommt.

    Mit viel Geduld und ein wenig Phantasie, wie eine Ratte vom Belecken der Wunden abgehalten werden kann, heilen aber auch solche großen Nahtausrisse ab. Wichtig ist, dass vor allem Partnerratten einige Tage nicht "mitputzen" können. Außerdem sollte ein Bodenbelag gewählt werden, der nicht mit den frischen Operationswunden verkleben kann. Geeignet sind alte (Hand-) Tücher oder Zeitschriftenpapier.

    Fazit:
    Ratten sind intelligente, verschmuste, liebenswerte tierische Partner Optimale Haltung ist die beste Voraussetzung für ein langes Rattenleben Ratten leiden fast immer unter Infektionen mit Mykoplasmen.Wichtig wäre es deshalb, dass möglichst bald ein Impfstoff gegen die Krankheit entwickelt wird. Rötlicher Augenausfluss, Atemgeräusche, Abmagerung oder Fellprobleme bedürfen der schnellstmöglichen tierärztlichen Kontrolle und Behandlung Ratten haben häufig Tumoren, die aber Dank moderner Narkosemethoden meist gut zu operieren sind.


    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf
    (Unter Verwendung einiger Texte der Kollegin Monika Morlak, Köln.)