Kaninchen
Wissenswertes, damit sie gesund bleiben.

    Die von den Wildkaninchen Europas abstammenden Tiere sind sehr gesellig und leben normalerweise in Rudeln. In Gefangenschaft gehalten fühlen sie sich deshalb am wohlsten, wenn sie mit einem Partner zusammenleben dürfen. Als Partner geeignet ist ein weiteres Kaninchen gleichen Geschlechts (weibliche Tiere vertragen sich meist gut miteinander, männliche nur, wenn sie kastriert sind) Wenn die Nachwuchsfrage geklärt werden kann oder wenn der männliche Partner kastriert ist, kann man auch verschieden geschlechtliche Pärchen gut miteinander halten. Meerschweinchen dagegen sind, auch wenn es immer wieder gern von Zoohändlern behauptet wird, NICHT als Partner für Kaninchen geeignet, weil diese deren "Sprache" , das Gurren oder Purren, nicht verstehen und die viel kleineren Tiere kurzerhand unterbuttern.

    Kaninchen werden bei aufmerksamer Fürsorge 6 – 15 Jahre alt und wiegen zwischen 1 und 3 kg. Zwergkaninchen werden mit etwa 8 Wochen geschlechtsreif und können dann schon Nachwuchs bekommen. Zur Zucht eingesetzt werden sollten sie aber nicht, bevor sie ein halbes Jahr alt sind. Die Tragezeit beträgt 30-33 Tage.

    Kaninchen sind dämmerungsaktiv und daher für Kinder, wenn überhaupt, frühestens ab einem Alter von 12 Jahren geeignet. Da sie tagsüber lieber schlafen, sollte der Käfig nicht in dem Kinderzimmer, in dem gespielt wird, stehen, damit eine artgerechte Haltung gewährleistet wird. Während der Mittagszeit sollte ein Kaninchen unbedingt schlafen dürfen, erst wenn es Abend wird, erwachen die Lebensgeister eines artgerecht gehaltenen Kaninchens. Der regelmäßige tägliche Zeitaufwand für ein solches Tier beträgt etwa 1 - 2 Stunden (bitte sicherstellen, dass Ihnen bzw. Ihrem Kind immer so viel Zeit bleibt, sonst wird die Haltung eines Kaninchens schnell zur Tierquälerei!).

    Ein Käfig für Kaninchen sollte mindestens 100 x 60 x 50 cm groß sein. Idealerweise sollte das Tier mindestens drei unbehinderte Hoppelsprünge im Käfig vollbringen können. Wünschenswert ist auch eine „2. Etage“. Paarweise gehaltene Tiere brauchen mindestens ein Drittel mehr Grundfläche in ihrem Käfig. Jedes Tier benötigt einen eigenen Flucht- und Versteckplatz, also ein bissfestes Haus oder eine Röhre aus Ton.

    Die Einstreu (nicht-imprägnierte Sägespäne oder besser ein dickes Heupolster) muss mindestens alle 2 Tage erneuert werden, da Kaninchen viel (oft rötlich gefärbten) Urin produzieren. Die Tiere benötigen eine Luftfeuchtigkeit von 60%, deshalb sollten sie nicht in die Nähe der Heizung gestellt werden. Zugluft und Temperaturschwankungen vertragen sie nicht, deshalb hilft es sehr, besonders im Winter, sie in einen warmen Raum zu stellen, bevor das Fenster zum Lüften geöffnet wird.

    Mindestens 1 mal täglich sollten Kaninchen unter Aufsicht herumlaufen können ( immer dran denken, sie sind Lauftiere, die in ihrer natürlichen Umgebung etliche Kilometer pro Tag zurücklegen!), und zwar mindestens eine halbe Stunde! Ohne diesen Zwang zur Bewegung leiden Kaninchen sonst schnell an Gelenksschäden und, noch viel schlimmer, sie neigen auch zur Verfettung, die ihnen einen frühen, menschenverschuldeten Tod beschert. Während des Freilaufens dürfen sie keine Sekunde aus den Augen gelassen werden, denn sie nagen alle Einrichtungsgegenstände, besonders aber Elektrokabel, an.

    Kaninchen werden immer am Nackenfell mit Unterstützung am Po hochgehoben (s. Zeichnung), niemals am Rückenfell, das kann abreißen - und das Tier verblutet! Aber Vorsicht: Sie sind sehr nervöse, zappelige Tiere, die schmerzhafte Kratzer hinterlassen (auch aus diesem Grund sind sie nur sehr bedingt für Kinder geeignet).

    Im Sommer sind Kaninchen dankbar für ein katzen- und elsternsicheres Freigehege, das genügend Schatten spendet, damit sie keinen Hitzschlag erleiden. Da es im Sommer viele Fliegen gibt, die ihre Eier in Kotballen ablegen, sollte die Kotecke täglich gesäubert werden. Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass die Tiere nicht mit dem eigenen Kot verschmiert sind. Sie werden sonst leicht zur attraktiven Eiablagestelle für Fliegen, deren Maden das arme Tier bei lebendigem Leibe verspeisen (leider kein Scherz, sondern traurige Realität in meiner täglichen Sommerpraxis!)

    Die 6 Vorderzähne der Kaninchen und, was viele nicht wissen, auch ihre Backenzähne, wachsen ein Leben lang immer wieder nach. Normalerweise werden diese durch Nage- und Kaubewegungen ständig abgenutzt und passen dann haargenau aufeinander. Werden aber nun die Zähne hauptsächlich mit weichem Futter beschäftigt, das nicht lange und ausdauernd gekaut werden muss ( z.B. mit Möhren, Gurken, getrocknetem Weißbrot, Fertigfutter aus der Zoohandlung), ist die Abnutzung nicht mehr so gleichmäßig.



    Dann wachsen die nicht exakt aufeinander mahlenden Backenzähne an einer Seite weiter und bilden messerscharfe Spitzen aus, die in die Wangen bzw. in die Zunge schneiden ( Klar, dass das Kaninchen dann nicht mehr fressen mag!).

    Vorbeugen kann man durch richtige Fütterung: Man füttert fast ausschließlich Heu aus einer Raufe, das muss ausdauernd gekaut werden und dies fördert den Abrieb der Zähne. Die lebenswichtigen Vitamine erhält das Kaninchen in Form von Möhren, Möhrengrün, Kiwi, kleinen Paprikastückchen und Gras immer erst nach getaner Kauarbeit. Käufliche "Leckerchen" wie Joghurtdrops ect. haben nur überflüssige Kalorien, schaden auf Dauer auch der Darmflora und verursachen oftmals lebensbedrohende Blasensteine.

    Frisches Wasser erhalten alle Kaninchen aus einer Tränke, die an der Käfigseite befestigt wird, in einer offenen Schale angebotenes Wasser würde zu schnell verschmutzen. Das Wasser sollte mindestens 1 x täglich gewechselt werden (bei dieser Gelegenheit kann man auch überprüfen, ob der Tränknippel noch durchgängig ist).

    Für die ausreichende Versorgung mit Kohlehydraten, Eiweißen und Fetten reicht 1 gehäufter Teelöffel Fertigfutter aus der Zoohandlung pro Tag (bitte auf keinen Fall mehr als diese Menge in den Napf füllen!). Denn sonst droht neben dem mangelhaften Zahnabrieb auch noch massives Übergewicht. Ein paar Anregungen für ein Fitnessprogramm mit Ihren Kaninchen finden Sie hier!

    Kaninchen sind zwar billig in der Anschaffung, aber beileibe nicht im Unterhalt; man sollte also die „Folgekosten“ nicht aus den Augen verlieren: 1) Ein einigermaßen geeigneter Käfig kostet etwa 70 Euro, 2) Einstreu und Futter kosten ca. 2 Euro pro Tag (zum Vergleich: die Haltung einer Katze kostet bei Ernährung mit sehr gutem Futter und der teuersten Einstreu pro Tag ca. 1,50 Euro).



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf