Neue Bestimmungen
im europäischen Reiseverkehr


    Zunächst einige Bemerkungen vorab:
    Niemand zwingt Besitzer von Tieren, diese impfen zu lassen, es sei denn, sie möchten eine Grenze mit ihrem Tier überqueren. Diese Information soll erklären, was eine Impfung ist, wie oft man nach meiner ganz persönlichen Meinung impfen sollte und welche Risiken bestehen.

    Impfungen werden zur Zeit in vielen Internetforen polemisch und kontrovers, vor allem aber unsachlich diskutiert.
    Wenn also Sie, werte/r Leser/in zu denjenigen gehören, die prinzipiell Impfungen ablehnen, weil Sie sich haben Angst machen lassen, dass Ihr Tier hierdurch Schaden nehmen könnte, wird auch die Lektüre dieser Seite Ihre schon vorher fest vorgefasste Meinung wahrscheinlich nicht ändern.

    Wissenswertes über Impfungen
    Einmal im Jahr bekommen die meisten Hunde und Katzen die so genannte „Jahresspritze“. Dies ist häufig eine Kombinationsimpfung aus mehreren Krankheiten, die entweder für das Tier oder aber auch für den Besitzer tödlich verlaufen könnten .

    Was ist eigentlich eine Impfung?
    Mit einer solchen Spritze werden abgeschwächte Krankheitserreger in den Organismus gebracht. Diese animieren das Immunsystem, Abwehrstoffe, die so genannten Antikörper, zu bilden. So ist ihr Tier gerüstet, wenn es von den wirklichen, starken Bakterien oder Viren heimgesucht wird. Leider merkt sich das Immunsystem nur eine bestimmte Zeit lang, wie denn der krankmachende Stoff ausgesehen hat und vergisst dann das Baumuster für die Antikörper. Deshalb sind bis ans Lebensende immer wieder Wiederholungsimpfung erforderlich, um das Immunsystem „auf dem Laufenden“ zu halten. Normalerweise informieren die meisten Tierarztpraxen Ihre Tierbesitzer deshalb, wenn der nächste Impftermin näher rückt.

    Muss man denn überhaupt so oft impfen und Kommen denn die Krankheiten überhaupt noch vor?
    Ausschlag gebend für die Häufigkeit, mit der Tiere geimpft werden sollten, ist vor allem der so genannte „Infektionsdruck“. In unserer Region werden z.B. immer noch Hunde verkauft, die aus den osteuropäischen Ländern eingeführt werden. Dort sind noch sehr viele Hunde Träger des Staupe – oder des Parvovirus , zweier sehr häufig tödlich verlaufender Krankheiten (s.u.). Selbst sind sie gar nicht immer sichtbar krank, können aber in kürzester Zeit alle ungeimpften oder nur gelegentlich geimpften Hunde ihrer Umgebung durch Ansteckung umbringen.

    Auch die Erreger der für den Menschen hochgefährlichen Leptospirose halten sich in hiesigen Tümpeln, Wassergräben und Pfützen auf. Und für Katzen und Hunde unserer Gegend gilt: Wir leben im tollwutgefährdeten Gebiet, also kann Ihr Tier, wenn es nicht regelmäßig ein Mal im Jahr gegen Tollwut geimpft wird, SIE durch bloßes Belecken der Hand umbringen, wenn das Tier (was Sie ja nicht wissen können) Kontakt zu einem tollwutinfizierten Eichhörnchen oder Fuchs ect. hatte. Wobei „Kontakt“ z.B. auch das Schnuppern an deren Ausscheidungen, z.B. auf Ihrer Terrasse, sein kann. In Deutschland ist eine jährliche Wiederholung der Tollwutimpfung gesetzlich vorgeschrieben, wenn der Verdacht einer Ansteckung besteht.

    Kann man denn nicht untersuchen, ob ein Tier geschützt genug ist?
    Jein! Man kann eine Blutprobe entnehmen und diese im Speziallabor auf Antikörper (s.o.) gegen die Krankheiten, gegen die geimpft wird, untersuchen lassen. Beim Hund sind dies z.B. Tollwut (ca. 70 Euro), Staupe (ca. 30 Euro), Parvo (ca. 30 Euro), Leptospirose (ca. 30 Euro), ansteckende Leberentzündung HCC (ca. 30 Euro). Zuzüglich der Kosten für die Blutentnahme und den Probenversand sowie die Mehrwertsteuer kommen also pro Hund pro Jahr ca. 200 Euro Untersuchungskosten auf einen ausreichenden Antikörper – Titer auf einen Besitzer zu (zum Vergleich: Die Impfung eines Hundes gegen diese Krankheiten kostet inklusive Untersuchung, Beratung und amtlich gültiger Bescheinigung je nach Tierarztpraxis zwischen 50 und 80 Euro).

    Die Höhe des Antikörper – Titers ist aber nicht allein aussagekräftig, ob ein wirklicher Schutz gegen die echte Krankheit besteht. Hierbei spielen auch andere Bereiche des Immunsystemes, die nicht im Labor messbar sind, eine wesentliche Rolle. Also kann auch ein Tier bei dem z.B. ein hoher Parvo – Titer gefunden wird, trotzdem an Parvo erkranken, wohingegen eines mit einem niedrigeren Titer, aber einem besseren restlichen Immunsystem unter Umständen gesund bleibt oder weniger schwer erkrankt. Auch deshalb ist das ständige Erinnern des Immunsystemes durch die regelmäßige Impfung so wichtig.

    Wie sieht der „normale“ Impfplan aus?
    In den letzten Monaten ist die Diskussion um "richtige" und "falsche" Impfschemata erneut entbrannt. Die Empfehlungen der deutschen Hersteller decken sich häufig nicht mehr, oder noch nicht, mit den jeweils leider auch nicht einheitlichen Empfehlungen der Hochschulen oder der führender europäischer Wissenschaftler. Den "normalen" Impfplan gibt es also zur Zeit nicht. Im Folgenden also der Plan, den ich zur Zeit handhabe. In Ihrer Tierarztpraxis wird vielleicht anders geimpft, es gibt im Moment eben nicht "die" Lösung!

    Hunde- und Katzenwelpen sind in den ersten 6 – 8 Lebenswochen durch die Muttermilch geschützt, wenn ihre Eltern einen belastbaren Impfschutz besitzen. Deshalb bekommen sie ihre erste Impfung normaler Weise mit 8 Wochen. Damit das Immunsystem sich dann mindestens ein Jahr lang erinnert, wie die Erreger aussehen (s.o.), erfolgt nach 4 Wochen, also mit 12 Wochen, eine Nachimpfung, bei der dann auch meistens gegen Tollwut mitgeimpft wird (Ausnahme: Katzen, die das Haus nie verlassen und auch nicht auf die Terrasse gehen). Andere Impfschemata empfehlen die erste Tollwutimpfung mit 16 Wochen. Die Hersteller des Impfstoffes empfehlen eine weitere Tollwutimpfung nach 1 – 6 Monaten, auch die neue Impfemfehlung für Hunde vom VDH sieht dies vor. Vor allem, wenn ein Ferienaufenthalt in Schweden oder England geplant ist, sollte eine Boosterung (Nachimpfung) gegen Tollwut vor der geplanten Blutuntersuchung erfolgen. Danach werden im Regelfall die Tiere im jährlichen Abstand ein Mal nachgeimpft.

    In Deutschland ist eine jährliche Wiederholungsimpfung gegen Tollwut vorgeschrieben, wenn wegen eines Ansteckungsverdachtes über eine eventuelle Tötung entschieden werden muss (s.u.). Auch in Amerika empfahlen die Hersteller der Impfstoffe eine Wiederholung in jedem Jahr. Neuerdings ist dort ein dreijähriger Impfabstand vorgesehen. Gegen welche Krankheiten Ihr eigenes Tier geimpft wird, wird jeweils in Absprachen mit Ihrer eigenen Tierarztpraxis individuell entschieden. So werden Hunde, die nur im Großstadtdschungel an der Leine spazieren geführt werden, wohl nur ein sehr geringes Risiko haben, an Tollwut zu erkranken, Jagdhunde dagegen sollten unbedingt regelmäßig nachgeimpft werden.
    (Meine persönliche Meinung: Ich verstosse nicht gegen geltende deutsche Vorschriften und ist möchte nie in die Situation geraten, dass ein durch meine falsche Empfehlung nicht geimpftes Tier einen Menschen infiziert. Deshalb empfehle ich meinen Klienten die jährliche Wiederholungsimpfung)

    Sollten Sie eine Reise mit Ihrem Hausgenossen planen, bei dem eine deutsche Grenze überquert werden muss, gelten, neben dem zwingend vorgeschriebenen Schutz gegen Tollwut (Impfung muss mindestens 4 Wochen alt sein, also unbedingt rechtzeitig planen!).



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf