Diät - bei meinem Tier?
Das ist doch gar nicht zu dick!


    Stimmt - Aber vielleicht nierenkrank?

    Ihr Tier soll also ein "Diät"-Futter fressen, was ist denn das nun eigentlich genau? Tja, um solche Futter und deren Wirkung genauer zu verstehen, folgt jetzt ein etwas ausführlicherer Abschnitt über Tierernährung im Allgemeinen und über die Zusammensetzung von Futtermitteln im Besonderen.


    Eines vorweg:

    Ein "Diät" - Futter ist nicht zwingend eines, mit dem man abnehmen kann, das wenige Kalorien enthält . Vielmehr bezeichnet man alle Futtermittel, die für einen bestimmten Ernährungszweck hergestellt werden, als "Diät". So gibt es Nieren-, Herz-, Leber-, Blasenstein- oder auch Abmagerungs- "Diäten". Im Gesetzbuch steht dazu, dass solche Futter "den besonderen Ernährungsbedarf von Tieren decken, bei denen insbesondere Verdauungs-, Resorptions- oder Stoffwechselstörungen vorliegen oder zu erwarten sind". Diäten können somit Organe "schonen" helfen, sind aber gesetzlich genau definiert, im Gegensatz zur "Schonkost", für die es keine (dann auch nachprüfbaren) Vorschriften gibt.

    Hier beschäftigen wir uns beispielhaft mit den Nieren. Und eine Nierenerkrankung ist so eine in der Futtermittelgesetzgebung gemeinte "Stoffwechselstörung". Also geht es hier im Folgenden um spezielle Diäten für nierengeschädigte Tiere. Die allgemeinen Überlegungen sind aber auch für andere Krankheiten, oder auch für die Ernährung gesunder Tiere gültig und wichtig.

    Der Gesetzgeber schreibt vor, dass auf jedem Futtermittel auch die Gehalte der Inhaltsstoffe in % der Originalsubstanz angegeben werden müssen. So erfahren Sie, wie viel Rohproteine (Eiweiße, die aus lebenswichtigen Aminosäuren bestehen), Fette und Kohlehydrate (z.B. Kartoffeln, Reis, andere Getreidesorten) Sie Ihrem Tier täglich vorsetzen.

    Bei ausdrücklichen "Diätfuttern" ist ausserdem vorgeschrieben, genau anzugeben, wie viele und welche Mineralien und Vitamine das Produkt enthält. Bei normalen Futtern dagegen werden die Mineralien als "Rohasche" zusammengefasst, allerdings gibt es auch hier Hersteller, die genau angeben, was denn nun drin ist. Die mit der genaueren Angabe bringen Sie schon einen Schritt weiter, wie Sie unten sehen werden.

    Das nächste Problem:
    Es gibt Trockenfutter, die wenig Wasser enthalten und Dosenfutter, die bis zu 80% aus Wasser bestehen. Da alle Inhaltsstoffe aber immer in % Anteilen an der Originalsubstanz angegeben werden, können diese Futter nicht so ohne Weiteres verglichen werden. Wenn Sie Ihr Tier wirklich gesund und ausgewogen ernähren möchten, bleibt es Ihnen nicht erspart, jetzt den Taschenrechner hervorzukramen. Oder Sie lassen sich in Ihrer Tierarztpraxis genau beraten, da haben Sie kompetente Ansprechpartner, die in "Tierernährung" geprüft wurden (dieses Fach ist Bestandteil der Ausbildung zum Tierarzt/zur Tierärztin).

    Also:
    Da Sie ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen wollen, berechnen Sie als Erstes die TROCKENSUBSTANZ (abgekürzt TS), keine Angst das ist ganz leicht! Auf den Futtern steht nämlich, wie viel Feuchtigkeit sie enthalten.

    Beispiel: Ein Trockenfutter enthält 7,5% Feuchtigkeit.
    Die ziehen Sie einfach von 100% Futter ab und erhalten dann den "trockenen" Anteil, der die Nährstoffe enthält, in unserem Fall also 92,5% TS. Mit dieser Zahl arbeiten Sie weiter.

    Auf dem angenommenen Futter steht nun 0,8% Phosphor. Den müssen Sie jetzt auf die TS umrechnen, auch nicht schwer, ehrlich! Sie teilen die Prozentangabe durch die TS und multiplizieren das Ganze mit 100, das ist alles!
    Hier also 0,8 : 92,5 x 100 = 0,86. Der Phosphorgehalt dieses angenommenen Normalfutters liegt also bei 0,86 % Phosphor in der TS.

    Bei einem Dosenfutter verfahren Sie ganz genauso. Angenommen, Sie wollen irgendein Nierendiätfutter aus der Tierarztpraxis mit einem anderen Futter vergleichen, dann berechnen Sie zuerst wieder die TS. Hätte das Futter einen Feuchtigkeitsgehalt von 71,5%, dann wäre dies 100 - 71,5 = 28,5% TS. Auf dem Futter könnte z.B. stehen, dass es 0,15% Phosphor und 8 % Protein enthält. Sie wissen ja schon, wie's geht: 0,15 : 28,5 x 100 = 0,53. Und 8 : 28,5 x 100 = 28,1. Dieses angenommenen Nieren - Diätfutter enthält also in der Trockensubstanz nicht 0,15, sondern 0,53 % Phosphor und 28,1 % Rohprotein.

    Fällt Ihnen was auf? Ja, der Phosphorgehalt und der Proteinanteil der imaginären Nierendiät ist deutlich niedriger als der des normalen Futters. Das ist pure Absicht! Andere Nierendiäten können sogar noch weniger Phosphor enthalten, aber mehr sollte es nicht sein.

    Denn geschädigte Nieren können dieses Mineral nicht mehr so gut aus dem Körper ausscheiden, wie es gesunde tun. Und wenn sich der Phosphor dann im Blut ansammelt, setzt der Körper in einem komplizierten Mechanismus ein anderes Mineral, nämlich Calzium, dagegen. Woher er das nimmt? Aus der Nahrung und - aus den Knochen! Die verlieren dann immer mehr Kalk und werden immer brüchiger und weicher. Und dann hat Ihr Tier schnell eine Knochenerweichung, die schmerzhafte Folgekrankheiten nach sich zieht. Und das alles wegen minimalster Mengen zuviel Phosphor!

    Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Inhaltsstoffen, z.B. den Proteinen. Diese sind lebensnotwendige Futterbestandteile, aber wenn zu viele von ihnen angeboten werden, müssen die sowieso schon vorgeschädigten Nieren verstärkt deren Abfall, den Harnstoff, ausscheiden. So enthalten denn die Nieren - Diätfutter meistens etwas weniger Eiweiße als normale, gewöhnliche Futter für gesunde Tiere. Damit die sowieso schon kranken Nieren nicht so viel Müll entsorgen müssen. Ob bei Ihrem nierenkranken Tier eher eine Versorgung mit weniger Eiweißen, oder besser mit weniger Phosphor (oder mit weniger von beidem) notwendig ist, ergibt sich aus der Blutuntersuchung und den folgenden Kontrollen.

    Damit nicht genug: Gerade kranke Tiere haben einen erhöhten Bedarf an ganz bestimmten Eiweißbestandteilen, den Aminosäuren, die man unter anderem braucht, um rote Blutkörperchen und Immunzellen zu bilden. So muss man besonders darauf achten, dass zwar einerseits nicht übermäßig viel, andererseits aber auch nicht zu wenig genau kontrollierte, ganz bestimmte Proteine in dieser "Spezialdiät" enthalten sind.

    Ausserdem ist elementar wichtig: Nur nierenkranke Tiere (und das sind solche, bei denen in einer tierärztlichen Untersuchung ein Nierenschaden festgestellt wurde) dürfen eine solche Diät überhaupt angeboten bekommen! Ein gesundes Tier hat einen komplett anderen Bedarf an Nährstoffen (die ebenso wichtigen Vitamine B oder D und die anderen Mineralien, wie z.B. Eisen habe ich hier bewusst nicht alle einzeln aufgeführt, weil es sonst zu unübersichtlich würde). Wenn man also einem gesunden Tier eine Nierendiät füttern würde, wäre das gesunde Tier schnell durch die Mangelernährung krank. Und würde man einem, das eine ganz andere Krankheit hat, z.B. eine Bauchspeicheldrüsen – Unterfunktion oder Blasensteine, ein Nierendiätfutter verabreichen, wäre das anders erkrankte Tier bald kränker als zuvor. Und wenn medizinische Laien (z.B. Futtermittelhändler oder sogenannte Tierheiler) beschliessen, dass Ihr Tier "irgendwie" so nach Nierenkrankheit aussieht, und Ihnen zu einer "Nierendiät" raten, könnte dies unter Umständen das Todesurteil für Ihren Hund oder Ihre Katze sein. Weil er/sie vielleicht eine ganz andere Krankheit hat, bei der eine Nierendiät äußerst schädlich ist. Oder will Ihr Tier schlicht und ergreifend vorher gesund war, und erst durch eine wohlgemeinte, aber grundfalsche Diätbehandlung "krankgefüttert" wurde.

    Einziger Ansprechpartner ist und bleibt Ihre Tierarztpraxis, denn nur dort kann man eine fundierte medizinische Ausbildung nachweisen, dort kennt man die komplette Krankengeschichte Ihres Tieres, kontrolliert regelmässig seine Laborwerte und kann so schnellstens reagieren, wenn die Diät geändert werden muss. Und genau deshalb werden in Deutschland Nieren"diäten" (nicht verwechseln mit der nicht kontrollierten und nicht irgendwelchen gesetzlichen Vorschriften unterliegenden "Schonkost", die tut nur so, als sei sie eine echte Diät) nach wie vor in Tierarztpraxen verkauft.

    Trockenfutter oder Dosenfutter, was ist besser?
    Dosenfutter enthalten bis zu 80% Wasser, Trockenfutter eher zwischen 7,5 und 12%. Tiere, die Dosenfutter fressen, müssen also nicht so viel trinken, da sie das Wasser ja schon "fressen". Es gibt aber Hunde und Katzen, die Trockenfutter bekommen und trotzdem fast nichts trinken. Und wenn das Futter dann auch noch einen hohen Gehalt an "Rohasche" hat, sind im hochkonzentrierten, weil wasserarmen Urin schnell Blasensteine gebildet, die lebensbedrohend werden können. Wie verhindert man das? Entweder gibt man kein Trockenfutter, oder man verwendet Sorten mit weniger Rohasche, die zudem Inhaltsstoffe enthalten, die den Urin so verändern, dass sich die häufiger vorkommenden Steine nicht bilden. Welche das sind, erklärt Ihnen Ihre Tierarztpraxis. Und welche Futter Sie einem gesunden Tier gerne verabreichen dürfen, erfahren Sie auch dort.

    Hier aber reden wir über kranke Tiere! Und über ganz speziell für das Krankheitsbild zusammengesetzte Futter! Und bei denen ist es dann im Prinzip egal, ob Sie die als Trockenfutter oder als Dosennahrung geben, sie sind ja anders beschaffen als die 0/ 8/ 15 Standardfutter. Letztlich entscheiden Sie, ob ihr nierenkrankes Tier das Wasser selbst trinken soll, oder ob Sie es im Dosenfutter anbieten und Ihrem Tier die Arbeit mit dem Trinken ersparen.

    Aber ist solches Spezialfutter nicht viel teurer als "normales"?
    Nicht unbedingt! Verglichen wird immer der Rationspreis für einen Tag. Angenommen, Ihre Katze bekam bisher ein Dosenfutter, 1 Dose pro Tag, das 0,50 Euro gekostet hat. Nun stellen Sie um auf eines der Nierendiät- Trockenfutter, von dem, mal angenommen, 2 kg 18,- Euro kosten (ist nur irgendein Beispiel!!). So teuer? wie viel brauchen Sie denn pro Tag, damit Ihre Katze gesund und bedarfsgerecht ernährt wird und ihr Gewicht hält (also auch nicht zunimmt, wäre nicht gut für die geschädigten Nieren)? Für eine 4,5 kg schwere Katze rechnet man von dieser beispielhaft angenommenen Diät etwa 60 g, um den täglichen Bedarf zu decken. Mit 2 kg Futter reichen Sie also 33, 3 Tage, damit kostet dann die Fütterung sogar weniger, als mit dem vermeintlich billigeren Futter vorher, nämlich nur 0,48 Euro.

    Also gilt auch hier: nicht nachplappern, nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern genau nachrechnen. Und im Zweifelsfall in Ihrer Tierarztpraxis nachfragen!

    Und dann muss man auch noch bedenken, dass ein Nierendiätfutter ja ein Teil der Behandlung ist, und dass die Diät damit einen Teil Medikamente einspart. Und dass die richtige, gut kontrollierte und auf Ihr Tier eingestellte Diät Folgekrankheiten verhindern hilft (z.B. Knochenerweichung, Blutarmut, Hautschäden ect.).

    Und dass Sie sicher sein können, alles medizinisch Mögliche und ethisch Vertretbare getan zu haben, um Ihrem Tier noch eine recht lange Zeit mit Ihnen bei guter Lebensqualität zu gewährleisten.

    Fazit:
    Ein "Diät-Futter" ist immer ein speziell für einen bestimmten Ernährungszweck zusammengestelltes Futter.

    Es gibt Diäten für Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheiten, z.B. Nieren-, Blasenstein -, Leber- oder Bauspeicheldrüsen–Diäten.

    Ein Diätfutter sollte NUR an ein unter der jeweils speziellen Krankheit leidendes Tier verfüttert werden, niemals an ein gesundes oder an eines, das eine andere Krankheit hat. Deshalb wird ein Diätfutter nur nach genauer tierärztlicher Diagnose, unter ständiger Nachkontrolle und Betreuung durch Ihre Tierarztpraxis verabreicht und nur dort verkauft.

    Und was soll man tun, wenn ein Tier die Diät nicht so lecker findet, wie das vorherige Futter?
    Das neue Futter ist eine Art Medizin, die Ihrem Tier helfen soll. Ihr Tier quälen wollen Sie nicht - und Ihre Tierarztpraxis auch nicht! Aber helfen können Sie ihm nur, wenn Sie das Futter auch verabreichen! Die meisten Patienten akzeptieren neues Futter ohne Probleme, besonders dann, wenn es ohne grosses "Brimborium" eben einfach hingestellt wird. Bitte machen Sie Ihren Hund oder Ihre Katze nicht von vornherein misstrauisch, mit, übertrieben ausgedrückt, Äußerungen wie: "Ach du arme Katze, das wirst du ja bestimmt nicht wollen, aber die böse, böse Tierärztin hat gesagt, dass ich dich jetzt bis ans Lebensende quälen muss", Tiere verstehen und sehen mehr, als Sie und ich uns ausmalen können.

    Damit ein Tier ungewohntes Futter besser akzeptiert, hier ein paar Tipps:

    Mischen Sie zunächst ein paar Tage das gewohnte Futter mit dem neuen. Danach erhöhen Sie den Anteil des Diätfutters schrittweise, bis Sie schliesslich nur noch pures Diätfutter füttern.

    Wenn Sie zusätzlich von Dosen- auf Trockenfutter umstellen, ihr Tier dieses aber wider Erwarten ablehnt, können Sie es entweder ein paar Tage mischen (s.o.), oder aber das Trockenfutter mit Wasser oder ungesalzener Fleischbrühe anfeuchten.
    Das leicht angefeuchtete Futter, oder aber ein neues, ungewohntes Diät – Dosenfutter wird durch leichtes Anwärmen (im Wasserbad oder in der Mikrowelle) aromatischer und damit oft auch viel leckerer.

    Bei ganz "krüschen" Kandidaten muss man manchmal die Mischtechnik (s.o.) beibehalten. Damit es nicht zu viele Abfälle gibt, friert man Dosenfutter einfach in Eiswürfelformen ein. Dann muss nur jeweils eine kleine Menge "für den Geschmack" aufgetaut und untergemischt werden.

    Als "Leckerchen" eignen sich die gleichen Trockenfutterbröckchen, die Ihr Tier auch sonst als Diät bekommt. Dosenfutterpatienten bekommen ihr Diätfutter einfach wie Leberwurst auf eine viertel Scheibe Toastbrot geschmiert! Bitte denken Sie daran, dass die vorher gewohnten Zusatzbonbons jeden Behandlungsversuch zunichte machen. Besonders schädlich sind auch jede Art von Vitamin- Mineralstoff- Tabletten, denn diese enthalten meist genau die Mineralien, von denen Ihre Katze oder Ihr Hund nun gerade nicht mehr so viel bekommen soll. Wenn Ihr Tier es mag, kann man sehr gut auch frisches Gemüse, wie etwa Möhren, Gurken, ein Stückchen rohe Kartoffel oder Tomate anbieten.

    Alte Gewohnheiten ändern sich nicht in kurzer Zeit. Deshalb haben Sie bitte unbedingt ein bisschen Geduld mit Ihrem Tier. Und mit sich selbst! Sie wissen ja nun, wie überlebenswichtig es ist, dass Ihr Hund/ Ihre Katze das Futter als Hauptbestandteil der Behandlung erhält. Deswegen gilt für Diätfutter der selbe Grundsatz, wie für Medikamente: Sie können bei Tieren nur wirken, wenn die Besitzer sie auch verabreichen! Ihrem Tier sind die Konsequenzen einer "Nichteinnahme" unbekannt, aber Sie wissen es ja besser! Deshalb meine herzliche Bitte: Schummeln Sie nicht und betrügen Sie sich nicht selbst! Der Erfolg hängt nur von Ihrer Mitarbeit ab!



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf