Ihr Tier bekommt Cortison?




    Dieses Informationsblatt soll Ihnen einerseits erklären, wie Cortisone wirken. Andererseits sollen Sie aber auch wissen, welche Nebenwirkungen eintreten können, worauf Sie achten sollten und wie Sie selbst zur Besserung der Beschwerden Ihres Tieres beitragen können.





    Was ist Cortison?
    "Cortison" ist ein Sammelbegriff für verschiedene Hormone, die in jedem Säugetierkörper von einer unscheinbaren Drüse, der sogenannten Nebennierenrinde, gebildet werden. Diese Hormone steuern lebenswichtige Körperfunktionen. So unterliegt z.B. die Leber, wenn es um den Blutzuckerspiegel und die Konzentration bestimmter Bluteiweiße geht, der Kontrolle durch Cortisone. Auch die Kraft des Herzschlages und der Blutdruck ( z.B. bei Stress ), die Magensaftproduktion und die Wasserausscheidung in der Niere, werden durch Cortisone entscheidend mitgesteuert. Körpereigene Cortisone wirken außerdem entzündungshemmend, juckreizstillend, und sie mindern bestimmte Symptome einer Allergie, indem sie z.B. auch die Zellen des Immunsystems reduzieren.

    Manchmal genügt jedoch die Produktion eigener Körpercortisone nicht, um krankhafte Veränderungen zu bekämpfen. Immer dann werden künstlich hergestellte Cortisone verwendet, die alle, oder einen Teil der Cortisonaufgaben übernehmen.

    Bei welchen Krankheiten werden welche künstlichen Cortisone verordnet?
    Wichtigstes Einsatzgebiet der künstlichen Cortisone sind alle Arten von Entzündungen, mit denen ein Körper nicht allein fertig werden kann. Dazu gehören bestimmte Hautekzeme (nicht alle!), einige Formen der Gelenkentzündungen, die dem Rheumakomplex zugeordnet werden, Entzündungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, der Nieren, des Herzens und des Gehirns.

    In diesen Fällen, und in der Therapie von Allergien, werden meistens sogenannte Kurzzeit-Cortisone verwendet, deren Wirkung nach ungefähr 2-4 Stunden einsetzt. Nach 24 bis 36 Stunden sind sie vom Körper selbst wieder abgebaut, und dieser geht dann wieder zu seiner normalen, eigenen Cortisonproduktion zurück. Bei einer länger dauernden Behandlung wird deshalb oft schon nach wenigen Tagen verordnet, die Tabletten nur noch alle zwei Tage zu verabreichen, damit die Nebennierenrinde nicht verlernt, Cortisone herzustellen.

    Früher, als man noch nicht so viel über die Nebenwirkungen von Cortisonen wuss te, wollte man es sich leicht machen und hat, vor allem bei Hautekzemen, Langzeit-Cortisone gespritzt, die bis zu drei Monaten dauerwirksam waren. Für die Tierbesitzer war das auch zunächst sehr angenehm, denn die Tiere hörten nach einem Tag auf, sich zu kratzen, und sie selbst mussten keine lästigen Tabletten verabreichen. Nach einigen Wochen Dauerwirkung aber waren die Nebennierenrinden häufig völlig funktionslos, und die Krankheit um ein Vielfaches schlimmer als zuvor! Als Spätfolge bildeten die behandelten Tieren einen so genannten "Morbus cushing" aus, eine Unterfunktion oder sogar ein vollkommenes Versagen der Nebennierenrinden. Ein Problem, das eine sehr aufwändige und teure, lebenslange Therapie nach sich zieht! Überlegen Sie deshalb gut, was Sie sich und Ihrem Tier zumuten, wenn Sie eine solche Behandlung in Erwägung ziehen, weil sie ja zunächst so schön einfach und billig erscheint! Die "Wunderspritze" ist eben oft alles andere als eine solche!

    Sehr selten ist der Einsatz von Ultra-Kurzzeit-Cortisonen. Sie werden in der Notfallbehandlung von Schockzuständen, plötzlichen Querschnittslähmungen oder Gehirnschwellungen verwendet. Kurzzeitcortisone werden in aller Regel direkt in die Vene gespritzt; die Wirkung setzt dann sofort ein, nach etwa 8 Stunden ist das Medikament meist wieder aus dem Organismus verschwunden.

    Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?
    Da Cortisone Auswirkungen auf den Wasserhaushalt haben, trinken Tiere nach der Behandlung häufig sehr viel mehr als sonst. Natürlich produzieren sie dann auch viel mehr Urin - bitte planen Sie mindestens zwei zusätzliche Gassi - Gänge bzw. einen zusätzlichen Katzenstreu - Wechsel mit ein! Außerdem regen Cortisone den Stoffwechsel, und damit auch das Hungergefühl, an. Tiere die unter Cortisontherapie stehen, signalisieren Ihnen also mehr Hunger, dürfen aber auf gar keinen Fall mehr zu fressen bekommen ( es sei denn, Ihre Tierarztpraxis hätte ausdrücklich eine Gewichtszunahme verordnet!).

    Nach Abklingen der Wirkung bzw. nach dem Absetzen des Medikamentes verschwinden diese Nebenwirkungen aber schnell wieder!

    Anders ist es bei einer Langzeittherapie, wie sie manchmal bei Allergien, Leberschäden oder chronischen Gelenksentzündungen notwendig ist. Dann ist es überlebenswichtig, die Nebennierenrinde immer wieder zum selbstständigen Arbeiten anzuregen. Denn, falls sie dies verlernt, entgleisen die Leber - und Nierenwerte, weil diese Organe auf die Steuerungshormone verzichten müssen und irreparabel geschädigt werden. Auch der Blut – Calzium - und Phosphor - Spiegel unterliegt (u.a.) der Steuerung durch die Nebenniere. Bei einer fehlerhaften Cortisonbehandlung besteht deshalb das Risiko der Knochenentkalkung (Knochenweiche).

    Was kann man tun, um Schäden zu vermeiden, wenn eine Cortisonbehandlung über längere Zeit notwendig ist?
    Jeder Cortison - Langzeitpatient wird, so schnell wie es die Besserung der Symptome zuläss t, auf eine möglichst geringe Dosis umgestellt. Außerdem versuchen wir, baldmöglichst auf ein Dosisintervall von zwei, möglicherweise auch drei Tagen, zu wechseln, um die Nebennieren in den ein bis zwei cortisonfreien Tagen zur Eigenproduktion anzuregen.

    Wegen der Gefahr der Organschäden sollte aber mindestens alle 6 Monate das Blut kontrolliert werden - bitte halten Sie diese Termine peinlich genau ein! Denn nur so können wir rechtzeitig regulierend eingreifen und auch der gefährlichen Organschädigung bzw. der Knochenerweichung beizeiten entgegenwirken.

    Fazit
    Cortisone sind, richtig verwendet, sehr hilfreich, manchmal sogar lebensrettend.
    Sie sollten nie ohne Rücksprache mit Ihrer Tierarztpraxis verabreicht oder auch abgesetzt werden. Cortison–Langzeitpatienten müssen regelmäßig durch Blutuntersuchungen überwacht werden.



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf