Ihr Tier hat Antibiotikum verordnet bekommen?




    Dieses Informationsblatt soll Ihnen einerseits erklären, wie Antibiotika wirken.
    Andererseits sollen Sie aber auch wissen, welche Nebenwirkungen eintreten können, worauf Sie achten sollten und wie Sie selbst zur Besserung der Beschwerden Ihres Tieres beitragen können.




    Was ist ein Antibiotikum?

    Ein Antibiotikum bzw. deren Mehrzahl, die Antibiotika, sind Medikamente, die Bakterien (aber keine Viren!) abtöten können. Ihre Wirkung entfalten sie, indem sie entweder die Bakterien an der Vermehrung hindern oder indem sie das gesamte Bakterium abtöten. Da Bakterien Zellkerne besitzen, also wie ganz gewöhnliche Körperzellen aussehen, kann es bei einigen Antibiotikum - Anwendungen vorkommen, dass auch Körperzellen teilweise mit angegriffen werden. Dann entstehen die untern näher beschriebenen Nebenwirkungen. Antibiotika werden entweder als Tabletten oder Kapseln einmal oder mehrmals täglich eingegeben oder gespritzt. Einige Antibiotika werden als Langzeit—Spritze verabrelcht, so dass die Behandlung erst nach 2 -3 Tagen wiederholt werden muss. Das bekannteste Antibiotikum ist das Penicillin, es gibt aber noch 40 bis 50 andere, unbekanntere Antibiotika - Arten.

    Warum braucht man so viele Antibiotika?
    Bakterien sind sehr anpassungsfähig und stellen sich recht schnell auf die Substanz ein, die sie abtötet: Sie programmieren ihr Bakterien -Erbgut so um, dass sie nicht mehr von dem Antibiotikum angegriffen werden können. Sie werden „resistent“.In einem solchen Resistenz -Fall muss ein anderes Mittel verwendet werden, das den Bakterienstoffwechsel an einer anderen Stelle als das vorher verwendete stört und sie so beseitigt.

    Wichtig Ist also bei jeder Behandlung, dass möglichst keine Rest- Bakterien im Körper zurückbleiben, die eine Verteidlgungsstrategie gegen das gerade verwendete Medikament "vererbt" können. Das erreicht man am besten dadurch, dass man das verschriebene Medikament über einen längeren Zeitraum verabreicht, den Keimen also keine Zeit zum "Nachdenken" lässt.

    Bitte verabreichen Sie, deshalb die verschriebene Menge Tabletten immer bis zum Ende! Oder, falls Sie zu einer weiteren Spritze bestellt worden sind, halten Sie dlesen Termin unbedingt ein!
    Sie ersparen sich und dem Tier eine langwierige Behandlung, die dann nötig wird, wenn die Krankheit von Neuem aufflackert, weil noch Keime Im Körper zurückgeblieben, sind.

    Was passiert, wenn die Krankheit eines Tieres von resistenten Bakterien verursacht wird?
    Wenn ein Tier mit einer Krankheit, die wahrscheinlich durch Bakterien hervorgerufen oder unterhalten wird, in einer Praxis vorgestellt wird, verwendet man meist das Antibiotikum, das bei den bisherigen Patienten mit einer solchen Krankheit bisher eine schnelle Besserung erzielte.

    Bleibt diese Besserung aber aus, muss man herausfinden, welche Antibiotika die Bakterien noch nicht "kennen". Dazu entnimmt man eine Probe (z.B. einen Tupfer) und schickt sie an ein Speziallabor, das ausprobiert, welches Medikament wirksam ist. Solch eine Untersuchung dauert immer ein paar Tage deshalb wird auf jeden Fall vorher weiterhin behandelt.

    Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?

    Antibiotika töten auch Bakterien ab, die im Darm für eine geordnete Verdauung nötig sind. Deshalb verursacht eine solche Therapie, vor allem, wenn sie mit Tabletten durchgeführt wird, manchmal leichten, selten sogar schweren Durchfall. Nach Absetzen der Therapie verschwindet diese unangenehme Begleiterscheinung meist schnell. Unterstützend werden so genannte "Probiotika" eingesetzt, die die Darmflora dann wieder normalisieren. Bei einigen Tieren, die auf Antibiotika stets mit Durchfall reagieren, ist eine Spritzentherapie oft weniger nebenwirkungsträchtig als die mit Tabletten.

    Sehr selten entwickeln Tiere allergische Reaktionen auf Antibiotika. Dann zeigen sie Anzeichen eines Schocks oder auch nur leichtes Nesselfieber. In jedem Fall sollte nach Abklingen der Beschwerden ein genauerer Allergietest klären, ob eine Reaktion gegen das verwendete Medikament bestand, oder ob eine ganz andere Ursache die allergischen Beschwerden ausgelöst hat.

    Die wichtigste "Nebenwirkung" aber bleibt die falsche oder unregelmäßige Verabreichung der Mittel:
    Auch Antibiotka brauchen eine gewisse Zeit, bis sie aus dem Blut wieder abgebaut sind. Werden also die verordneten Tabletten unregelmäßig, also z.B. wochentags um 7 Uhr, am Wochenende aber erst um 11 Uhr verabreicht, sammelt sich (um im Beispiel zu bleiben) am Montag morgen eine große Restmenge Antibiotikum im Blut an, die dann sogar eine Vergiftung verursachen kann. Die verordneten Tabletten sollten deshalb immer zur selben Tages- , Mittags- oder Nachtzeit gegeben werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

    Fazit
    Antibiotika sind, richtig verwendet, sehr hilfreich, oft sogar lebensrettend Sie sollten nie ohne Rücksprache mit Ihrer Tierarztpraxis verabreicht oder auch abgesetzt werden Antibiotika sollten immer bis zum verordneten Behandlungsende gegeben werden, damit die Bakterien nicht resistent werden Nebenwirkungen werden vermieden oder vermindert durch die pünktliche Gabe der Tabletten und durch Zufütterung von Probiotika aus der Tierarztpraxis.



    © 2005
    mit freundlicher Genehmigung der Kollegin
    Dr. med. vet. Petra Sindern, Neu Wulmstorf